Zartes Chinahuhn wie im China-Restaurant – nach Stevan Paul

Was zeichnet ein gutes Rezept aus? Am Ende ist alles komplett aufgegessen, obwohl man gleich mehr gekocht hat. Das Huhn ist so geil, da werdet Ihr lange überlegen müssen, wann Ihr das schon mal so gut hattet.

Zutaten für 4 Personen:

700 Gramm Hähnchenbrust, oder entbeinte Keule
3 Paprika möglichst Rot und Orange, am Ende egal
100 Gramm Cachewnüsse
1 Zehe Knoblauch
20 Gramm Ingwer
50 Milliliter Süße Sojasoße
50 Milliliter Sojasoße
50 Milliliter süße Asiasoße scharf (anklicken)
Salz
Pfeffer
1/2 Teelöffel Natron
150 Milliter Brühe (anklicken)
1 Peperoni
1 Esslöffel Speisestärke (Autor nimmt Soßenbinder, ist mir aber zu Plastik)

Beilage:

Basmatireis

Ich lese schon seit ein Paar Jahren die Zeitschrift Effilee. Die ist in Sachen Kochen sowas wie die 11 Freunde beim Fußball. Die haben einen anderen Zugang zu Ihrem Genre, als solche Lieschen Müller Zeitschriften, ohne dabei total abgehoben zu sein. Da geht es eher um ehrliches Essen, ohne viele Schnörkel und dann findet man neben vielen philosophischen und wissenschaftlichen Betrachtungsweisen über das Essen, auch immer noch Rezepte. Unter anderem gibt es immer eine Rubrik “schneller Teller”, bei der es in der aktuellen Effilee ein paar gibt, die mich zum Nachkochen animieren, obwohl ich sonst immer gerne meinen eigenen Stiefel koche. Stevan Paul, von dem dieses Rezept kommt, hat hier so ein klassisches Chinarestaurantgericht gezaubert, das einem sofort wie ein alter Bekannter im Mund vorkommt, aber das man noch nie so lecker hatte, wie in diesem Moment. Unglaublich!

Im Rezept von Stevan Paul wird Hähnchenbrust genommen. Ich bevorzuge entbeinte Hähnchenkeulen. Das kommt daher, weil ich die sowieso gerade am Wochenende beim Mix Markt gekauft habe. Ansonsten finde ich das Fleisch zarter als bei Hähnchenbrust, aber ich bin ja nur ausführendes Organ und nicht der Rezeptersteller.

Bei der Hähnchenbrust sind ja normal keine Häute mehr dran, bei den eintbeinten Oberkeulen ist sie noch dran. Ich habe noch nie vorher probiert, die Haut abzuziehen und bin erstaunt, wie leicht das geht. 

Die Haut lege ich zur Seite. Nicht wegwerfen. Damit habe ich meine Kinder angefüttert, damit sie dem Gericht weniger kritisch gegenüber stehen. Das zeige ich Euch gleich noch. 

Das Hühnerfleisch in Streifen schneiden. 

Die Streifen zu Würfel verarbeiten. 

Hier kommt das Geheimnis, wieso das Fleisch beim Chinesen immer so zart ist. Ich hätte ja auf Glutamat getippt, aber es ist NATRON!

Fleisch in eine Schüssel geben, Natron dazu geben.

1 Teelöffel Pflanzenöl

Alles miteinander vermischen, vier Stunden in den Kühlschrank stellen und einwirken lassen. Ich hatte in dem Moment keine Zeit und musste das Rezept am Stück durchkochen. Es wird durch das Verwenden des Natrons schon spontan ungewöhnlich zart. 
Ich bereite jetzt die Soße vor

20 Gramm Ingwer, mehr geht immer.

Ingwer reiben

Knoblauch soll man auch reiben, aber mir waren meine Fingerkuppen auf der Reibe irgendwie zu schade, deswegen habe ich den Knoblauch gehackt. Ich habe auch zwei Zehen genommen, weil man auf einem Bein nicht stehen kann. 

Ich war Sonntag mit den Kindern extra noch im Dong Xuan Center in Lichtenberg und habe süße Sojasoße gekauft. 50 Milliliter davon in eine Schüssel kippen.

50 Milliliter der Sojasoße, nach der sie immer alle schreien, falls man mal eine andere im Bild stehen hat. Kikkoman!

Hier schmücke ich mich mal mit fremden Federn, denn die Soße habe ich nicht selbst gemacht. Die hat mir gerade letzten Freitag Steffi Walther vom Blog Kochglück mitgebracht. Die besucht mich immer wenn Berlin Marathon ist und darf sich einen Abend davon überzeugen lassen, dass Kinderlosigkeit manchmal auch ganz erholsam sein kann, wenn meine vier Kandidaten nonstop auf sie einschwatzen. Süße Asia Chilisoße. Weil das ein vegetarisch/veganer Blog ist, musste ich wenigstens keine Angst haben, dass da noch jemand Fisch, oder Austern reingekippt hat.

50 Milliliter, schmeckt sensationell und die Soße koche ich auch noch für meinen Blog nach.

Nun noch 150 Milliliter Brühe. Optimalerweise Hühnerbrühe, aber Gemüsebrühe ist auch o.k.

Das ist das Grundgerüst für die Soße 

Jetzt schon mal den Reis aufsetzen

Um das Fleisch anzubraten braucht man Fett. Da würde man bei asiatischem Essen wohl vor allem Erdnussöl wegen der Temperaturbeständigkeit verwenden. Am Ende nehmt Ihr ja doch das Öl, das gerade in Reichweite steht und das ist auch o.k. 

Ich mache es ganz anders, denn ich mache den Wok heiß und lege die abgezogenen Hühnerhäute in die Pfanne / den Wok. Da sitzt so viel Fett drin, dass man sich jede weitere Zugabe von Öl sparen kann. Außerdem werden die Hühnerhäute dabei total kross und dann sind sie eine echte Delikatesse. Das Gericht wird nämlich eine ziemliche Herausforderung für meine vier Kinder und bei meiner Frau bin ich mir auch noch nicht sicher, ob Ihr das schmeckt.  

Dafür sind wir Sonntag noch extra zum Ostbahnhof gefahren, weil es bei den Vietnamesen in Lichtenberg keine Paprika gab. Deswegen war es mir egal, welche Farbe die Paprikaschoten haben. Höchstwahrscheinlich rotiert Stevan Paul schon im Wasserbad, weil ich das Rezept gerade zerstört habe, da die Paprika nicht rot und orange sind, sondern rot, gelb und grün. 

Paprika entkernen

Paprika zerkleinern. 

Hähnchenhäute nach 4 Minuten umdrehen

Eine Peperoni zerkleinern. 

Hier kommen die Hähnchenhäute aus der Pfanne. Ein bisschen Salz aus der Mühle darüber geben. Ich weiß wie lecker die sind, deswegen rufe ich der Reihe nach meine Kinder an den Herd und drücke jedem so ein Stück in die Hand. Alle knuspern darauf bedächtig rum und kommen wieder und wollen mehr. Daraufhin sage ich ihnen, dass das eigentliche Gericht noch besser schmeckt und von einem berühmten Koch ist…

Fleisch in den Wok werfen und insgesamt vier Minuten von allen Seiten garen. Herd auf volle Pulle!

Danach das Fleisch aus der Pfanne raus und in einer Schüssel zwischenlagern. 

Das Fett einfach in der Pfanne lassen. Da kommen jetzt die Paprika und Peperoni ebenfalls für vier Minuten rein 

Wir basteln uns jetzt schon mal schnell unseren Soßenbinder. 

1 Esslöffel Speisestärke mit Wasser auflösen und klumpenfrei verrühren. 

Nach vier Minuten Paprikaschwenken im Wok, kommt nun noch das Fleisch dazu.

Die Spannung steigt, weil ich der Brut im vorbeilaufen noch jeweils ein Stück des sensationell zarten Fleisches gegeben habe. Die sind jetzt schon richtig heiß darauf, das fertige Gericht zu probieren. 

Alle Zutaten miteinander vermischen, eine Minute weiter garen lassen, danach kommt dann unser Soßenmix in den Wok

Soße ist jetzt auch im Wok

Nun noch die aufgelöste Speisestärke dazu geben. 

Herd weiter auf Volldampf laufen lassen und das Rühren nicht vergessen. 

Sobald der Pfanneninhalt kurz sprudelt, zieht die Soße sofort an und sieht eins zu eins aus, wie beim Chinesen. Cachewnüsse in den Wok werfen. Sofort den Herd abstellen und anfangen zu servieren. 

Reis auf den Teller geben

Grünkraut schadet nie.

Das Fleisch und die anderen Zutaten, so schön wie möglich auf dem Teller verteilen. 

Original und Fälschung 😉

Am Tisch war die Spannung zu greifen. Die Kinder haben erstmal nicht gemeckert, wie das sonst oft der Fall ist und alle haben zumindest mal probiert. Die Schnekerliese hat gleich angefangen Paprika auszusortieren, Margarete hat gesagt “Papa, das ist aber ein bisschen scharf” Ich habe nur gefragt “und?”. “Nur so” sagt meine Kulinarikexpertin (6) und hat den Teller klaglos geleert. Die anderen beiden Kandidaten haben auch gefressen wie die Raupen und meine Frau lobte ausdrücklich das zarte Fleisch, den tollen Geschmack der Gesamtkomposition und wie besonders das Gericht wäre. Das schmeckt sehr authentisch, wie beim Chinesen. Ich hätte nie gewusst, wie die das typische Aroma erzeugen, bei dem man sofort weiß, ach ja Chinese…

Das ist bei aller Geschwindigkeit, in der man das zubereitet hat, wirklich außergewöhnlich lecker und toll komponiert. Ich habe es ja nicht so mit asiatischer Küche, aber ich weiß, dass es von Stevan Paul auch ein Kochbuch mit seinen Interpretationen der japanischen Küche gibt. Das ist eben schön, wenn einer gelernter Koch und Journalist ist. 

Den feinen Herrn Paul koche ich für Euch in Zukunft öfter mal nach, wenn er mir über den Weg läuft. Das Gericht lege ich Euch ans Herz, genau wie die Effilee, aus der ich das Rezept habe. Die bildet richtig und ich nehme bei der Lektüre immer etwas für mich mit und wenn es nur das Wissen ist, dass jede Tomate 2 Gramm Zucker enthält, egal wie groß sie ist. Von meinem Sohn habe ich das Kompliment bekommen, dass ich der beste Koch der Welt sei. Das Kompliment gebe ich total selbstlos an Stevan Paul weiter. Danke!

Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit. 

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10 Kommentare

  • Total meins ! habe sowieso gestern die zutaten für Wokgericht besorgt , es trifft sich sehr gut , werde nachkochen ! Danke!

  • Das klingt lecker, würde es am liebsten gleich nachkochen, aber heute rückt erst mal die Veggie Front an..schon mal Danke!

  • heute nachgekocht, leider ohne Cashews (vergessen zu kaufen)und mit fertiger Asia-Chilisauce (hatte noch keine Gelegenheit, die verlinkte Sauce nachzukochen),
    trotzdem oberlecker!!

  • Ela

    Fleisch ist mit Natron eingelegt und im Kühlschrank!

    Jetzt habe ich aber noch eine Frage:

    “Bleibt das Natron am Fleisch zum anbraten ODER muss man das Natron vor dem anbraten abwaschen??”

    Vielen lieben Dank schon mal im voraus für eine Rückantwort!

    LG,
    Ela

    • hallo ela, natron bleibt drauf, sonst hätte ich dazu was geschrieben. ALLES steht in meinen schritt für schritt anleitungen. was da nicht steht, musst du auch nicht machen.

  • Ela

    Hallo Joerg,

    Prima 👍👍, vielen lieben Dank für die schnelle Rückantwort!

    Ich habe alles 3x durchgelesen, war mir eben nur ein bisschen unsicher, ob ich nicht doch diesen Schritt vielleicht doch überlesen habe 😇😊😇

    Werde jetzt die Paprikaschoten nd Zwiebeln schnippeln, denn Zwiebeln gehören für mich einfach fast immer dazu! 😁😁😁

    Bin mal gespannt, ob ich das Fleisch nun “saftig” hinbekommen werde 🤞🤞🤞!

    Wünsche Dir und Deiner Familie ein schönes Wochenende und bleibt gesund!

    LG,
    Ela

    • hallo ela,
      das liegt alleine an dir ;-). du musst scharf anbraten. das fleisch ist noch nicht ganz durch, wenn es mit dem fleisch in der soße ist und dort zieht es dann zart und ist butterzart. du darfst dann nur nicht mehr bei der temperatur überziehen.
      ich mag zwiebeln generell auch sehr gerne.

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