Tomatensalat aus der DDR

So wie im Western jeder ein Dr Oetker hatte, gab es in der DDR das Buch “wir kochen gut”. Ich habe von meiner alten Freundin “Rotkäppchen” und jetzt könnt ihr Euch alle mal überlegen, warum die so heißt und was sie bevorzugt trinkt, eine Ausgabe dieses DDR Referenzkochbuchs von 1968 bekommen.  Ich lese gerne solche alten Wälzer, weil das meistens eine Menge über die damalige Zeit und die Versorgungslage erzählt.  Außerdem erhöht so ein alter Rezeptschatz die Wahrscheinlichkeit, dass dort im Buch keiner die Tüte Salatkrönung auspackt, um Geschmack an das Gericht zu zaubern. Dieses Rezept ist so einfach und bodenständig wie es mir gefällt. Deswegen sollte das jeder mal gelesen haben, der immer von sich meint kein Salatdressing zu können, oder dass man ohne Maggifick für Tomatensalat keinen Geschmack an das Gemüse bekommt. Weit gefehlt.


Zutaten:

750 Gramm Tomaten
1 paar Salatblätter Kopfsalat, oder Eisberg
1 Zwiebeln
3 Esslöffel Öl
1 Esslöffel Zitronensaft
Salz
Pfeffer
Schnittlauch
Tomaten schmecken natürlich nicht im Januar, aber jetzt habt Ihr gerade noch die Chance auf ein paar leckere Exemplare.
Tomaten teilen, den Strunk entfernen
Noch weiter zerkleinern.
1 Zwiebel abziehen
Zwiebel von links und rechts bis kurz über den Boden schneiden, aber nicht durchschneiden.
Quer schneiden, schon hat man Zwiebelwürfel
Alle Zutaten in eine Schüssel geben.
Ein paar Salatblätter von einem Kopf Salat abziehen.
Salat zerkleinern.
Salz und Pfeffer aus der Mühle und nicht sparsam sein.
3 Esslöffel Rapsöl
1 Esslöffel Zitrone (oder mehr, das ist ja keine Bückware mehr)
Also Zitronensaft
Alle Zutaten miteinander vermischen.
Schnittlauch hacken.
Der kommt ebenfalls zum Salat und wird untergemischt.
Nun kann serviert werden und man sollte die Gewürze und Öl und Zitrone erst direkt vor dem Servieren darüber geben.
Ich finde den Tomatensalat saugeil, weil der so einfach ist.
Da schmecken Tomaten richtig tomatig und harmonieren super mit den Zwiebeln und dem knackigen Salat. Das gefällt mir richtig gut, wenn Dinge nach sich selbst schmecken, wenn Gewürze nur dazu dienen den Geschmack zu unterstreichen und nichts verkleiden, oder verändern wollen.
Wer das so pur serviert hat seine Zutaten verstanden. Die brauchen einmal gar nix, außer Salz, Pfeffer, Öl und ein bisschen Säure.
Für alle die das noch nie so gemacht haben, man braucht wirklich nicht die Salatdröhnung von Knorr, sondern sollte sich mal diesen Versuch gönnen zu erfahren, wie das Gemüse schmeckt, wenn man nichts Dummes damit anstellt, sondern es einfach so sein lässt, wie es ist. Sowas habe in der Richtung vor Jahren mal in Rumänien gegessen und das ist tausend mal geiler, als dieses ahnungslos verwürzte Zeug mit Plasten und Elasten.


Salz, Pfeffer, Säure und Öl… uffschreiben, liebe Genossen und Genossinnen. Auch mal diesen Teil des Buches lesen. Da steht übrigens auch nirgendwo drin, dass man auch bei 35 Grad alles mit Rotkraut und Kochbeutelklößen, in überschwappender Päckchensoße begleiten muss.
Ich wünsche viel Spaß beim Nachschnippel und einen guten Appetit.

15 Kommentare

  • Da muss ich mal den gelernten Ossi durchblicken lassen. 😉 Eisbergsalat? Nitschewo. Diesen 5. Aggrgatzustand von Wasser (“Knackig”) gabs meiner Erinnerung nach nicht. Kopfsalat schon eher. Aber dass man den mit Tomaten gemischt hat? Naja, wenns das Buch sagt. Man soll ja glauben, was geschrieben steht.
    Wenn die Zeit gekommen war, und die bulgarischen Tomaten in Massen kamen (oder die eigenen kleingärtnerischen Tomatenpflanzen reiche Ernte einfuhren), gabs auch mal Tomatensalat. Noch purer und unverfälschter als oben. Tomatenviertel oder -achtel, Zwiebelwürfel, Salz, Pfeffer … und etwas Zeit, bis die Tomaten etwas Saft zogen. Eventuell eine Spur Zucker. Das reichte und war leckerst.
    Das kannste mit heutigen Tomaten gar nicht mehr machen. Aber früher, die bulgarischen, die hatten noch Geschmack.

    • Jeannette

      Dirk, scheinbar hast Du die falschen Tomaten ^^

      • wer einen garten hat, hat immer die nase vor

      • Stimmt. Ich bin bei ihrem Bezug auf den klassischen deutschen Einzelhandel angewiesen und kaufe sie auch außerhalb der Saison. Da aber auch die Erinnerung sich selbst vergoldet, könnte ich heute die ideale Tomate kaufen und die damaligen wären trotzdem besser gewesen. 😉

    • Nadja

      @DirkNB: genauso kenn ichs auch. Die Würzdinger zum anrühren für Doofe habe ich auch erst mit 25 im Westen ‘entdeckt’ und inzwischen auch wieder Hausverbot gegeben.
      @Joerg: Da bin ich bei Dir: Essen soll nach dem schmecken was da auf dem Teller liegt.
      ach.. den machen wir doch gleich mal heute Abend (wieder). 🙂

  • ich hatte nix anderes als eisbergsalat. hier isses ja immer noch knapp mit allem in kaulsdorf ;-).

  • Also nix gegen die Bücher der DDR, die waren beliebte Geschenke von meiner Ostverwandschaft und hoch willkommen bei uns im Westen wegen der guten Qualität. Andererseits kann ich auch in den westlichen Grundkochbüchern keinerlei Hinweise auf Fertigprodukte finden, denn es gab damals nur Brühwürfel und gekörnte Brühe. Keine Salatsauce in der Flasche und keine Pülverchen zum Anrühren. Und Tomatensalat war auch bei uns nur Tomatensalat. Zum Urlaub fuhr man noch bestenfalls nach Italien und so war die Küche höchstens italienisch eingefärbt. Paprikas gab es nur in grün und bitter; dass die Farbe kriegen können, wusste damals keiner. Zucchinis und Ruccola waren gänzlich unbekannt. Bei Olivenöl schüttelte man sich damals noch und ebenso beim Gedanken an Ziegen- und Schafkäse. Die heute verfügbare Vielfalt an Gemüsesorten und Aromen möchte ich nicht mehr missen.

    • ich hatte keine ostverwandtschaft, so lange die grenze zu war. danach plötzlich doch ein paar, von denen wir vorher nichts wussten. deswegen gab es bei uns keinen austausch, so lange deutschland geteilt war. ich habe eine menge westkochbücher aus den sechzigern bei denen sie viel dosengemüse und wie du schon sagst, gekörnte brühe verwenden. diese weißkäsesorten- und olivenölphobie kann ich bestätigen.

    • Sollte da der Westen dem Osten hinterhergehinkt sein. Ok, es ist nix, worauf man stolz sein kann, aber Fertigsuppen aus der Tüte gab es in der DDR definitiv in den 1980er Jahren, wenn nicht schon davor. Ich kann mich an meine “Kochkünste” aus frühsten Studentenzeiten erinnern: Fleisch (beliebig) würfelig schneiden und anbraten, mit 0,5 l Wasser überschütten (ich vermeide das Wort “ablöschen”) und in den Topfinhalt die Tütensuppe einrühren. Es gab klare und gebundene Tütensuppen, für den “”Fleischansatz” eignete sich die Blumenkohlsuppe recht gut. 😉
      Manchmal habe ich die Suppe auch direkt in der großen Tasse mit einem kleinen 300-W-Reisetauchsieder gekocht … Das war hinterher ein geschruppe, um den Tauchsieder wieder sauber zu bekommen. 😉

      • was hast du denn studiert? marxismus-leninismus? 😉

        • Ist doch mittlerweile umbenannt in Chemnitzismus-St.Petersburgismus. 😉

          Aber Spaß beiseite: M-L war ja seinerzeit in quasi jedem Studium mit bei. Vermutlich sogar bei Theologie 😉 Aber das ist nur eine Vermutung und da wäre ich über jede Aufklärung dankbar (Aufklärung von einem Theologen ist auch irgendwie ein Widerspruch in sich). 😉

          Nachdem ich (wendebedingt) zweimal ein zweites Staatsexamen gemacht habe, darf ich mich Haupt- und Realschullehrer oder Diplomlehrer schimpfen, je nachdem, bei welchem System ich Eindruck schinden möchte. 😉

          • dann hast du ja auch nachmittags frei und ganztägig recht. super berufswahl. werde ich nächstes mal auch

          • Es leben die Klischees, vor allem, wenn sie falsch sind. Im konkreten Fall gings ja darum, was ich studiert habe, nicht, was ich heute mache. Die aktuelle Tätigkeit läuft von 11:30 bis 18:30 Uhr, einmal die Woche bis 21 Uhr. Soweit zum Thema “nachmittags frei” … 😉

          • dafür kannste halbwegs ausschlafen. das hat doch auch schon was.

      • Nadja

        hihi.. ja, an den Tauchsieder & Suppe reinschütten habe ich auch noch irgendwelche dunklen Erinnerungen 🙂

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