Blätterteig mit Quark selbst gemacht – für pikantes Gebäck

So gerne wollte ich schon immer Blätterteig machen, aber ich habe mich nie getraut. Mir erschien das super schwierig mit wenig Aussicht auf Erfolg und die Logik wollte sich mir auch nicht erschließen, wie irgendwas später im Ofen so aufspringt und so fein wird, obwohl es offensichtlich aus einem Stück ist und immer wieder fest mit dem Nudelholz zusammengerollt wird. Mein Fazit schon gleich am Anfang, es ist überhaupt nicht schwierig, sondern ganz im Gegenteil sehr kurzweilig. Wenn darum nicht so ein Mythos gemacht werden würde, gäbe es das bei viel mehr Leuten aus eigener Produktion.


Zutaten:

250 Gramm Quark bei mir 40 % Fett
250 Gramm Butter
250 Gramm Mehl
1 Teelöffel Salz
Mehl zum Arbeiten

Pikante Blätterteigteile:

1 Eigelb
1 Schuss Milch
Salz
Tabasco (anklicken)
Paprikapulver

Wenn einer schreibt, oder im Fernsehen wieder mal ne große Fresse hat, dass man den Blätterteig ruhig gefroren nehmen und kaufen kann, dann ist er einfach nur ne faule Sau und hat noch nie selbst gemachten probiert. Das schmeckt so viel besser als gefroren gekaufter, dass so nur jemand quatschen kann, der keine Ahnung hat. Das Motiv hat mir mein DDR Kochbuch von 1979 geliefert. Das heißt “Kochen” enthält 1680 Rezepte und ist im “Verlag für die Frau” erschienen. Nach den guten Erfahrungen, mit den bisherigen Rezepten aus dem Buch, war ich mir sicher, dass auch das hier funktioniert. Ich möchte auch noch auf den Effekt hinweisen, zu wissen was drin ist. Dann isst man automatisch bewusster davon und haut sich das nicht so gedankenlos rein. Wenn man die Butterpakete und auch den Quark mit entsprechend Fettgehalt gesehen hat, dann bekommt man davor Respekt.

Ich war mutig und habe an mich geglaubt. Deswegen habe ich gleich die doppelte Menge gemacht, damit die Arbeit sich auch lohnt. Quark ist eine zusätzliche Zutat, die in normalem Blätterteig nicht drin ist, aber wenn man Salzgebäck, Zwiebelkuchen, pizzaähnliches Backwerk backen möchte, dann ergibt das schon einen Sinn. Jetzt wo dieser Teig so toll ist, werde ich auch vollkommen angstfrei, einen zusätzlichen Blätterteig ohne Quark machen und dokumentieren. Meine Briefumschläge für die üblichen Schreihälse, die immer laut rumschreien, ohne das Rezept gelesen zu haben, sondern nur weil ihnen die Überschrift fremd erscheint, habe ich schon in den Tresor gelegt. Österreicher, Sachsen, Bayern, Schwaben, auch im Rest der Welt wird gekocht, selbst wenn Ihr sooooo noch nie irgendwas davon gehört habt, aber danke für die Aufmerksamkeit. Ach ja Thüringer, habe ich noch vergessen. Hallo Thüringer!
Quark abwiegen und in einem Sieb abtropfen lassen. Butter auspacken.
Mehl abwiegen
Salz zum Mehl geben.
Salz untermischen
Butter in dünne Scheiben schneiden.
Wie gesagt ich habe die DOPPELTE Menge der obigen Rezeptangaben gemacht, nicht wundern.
Eine Arbeitsfläche aus Holz
Mehl, Butter,  und Salz auf die Arbeitsfläche geben und vorher im Mehl eine Mulde machen.
Quark auch noch dazu geben.
Wenn ich gar keine Ahnung habe, dann benutze ich gerne meine Hände und keine Maschinen, um ein Gefühl für die Aufgabe zu bekommen.
Das ist toll, vermischt sich gut und knetet sich problemlos. Man fühlt sich dabei sicher und hat keine Angst, dass es nicht klappen könnte. Das finde ich wichtig, wenn man irgendwas zum ersten Mal macht, dabei so ein alles wird gut Gefühl zu entwickeln.
Am Ende steht jedenfalls ein Teigklumpen und man fragt sich warum andere sich dafür so nen riesen Maschinenfuhrpark zulegen müssen und sich um die Sinnlichkeit dieses Augenblickes bringen möchten?
Das ist der Plan gewesen
Daumen hoch, sagt die Fotografin. Mit den dreckigen Teighänden, hätte ich unmöglich fotografieren können.
Teig in Portionen aufteilen. Ich habe die doppelte Menge gemacht, also würdet Ihr teilen bei halber Menge und nicht vierteln, wie ich bei der doppelten Menge
Jede Teigportion zum Kühlen in den Kühlschrank stellen. Im Winter bei Minusgeraden auch auf die Fensterbank
Ich habe eine Stunde gewartet
Brett bemehlenTeig aufsetzen
Flach andrücken
Mit dem Nudelholz ausrollen.
Der Teig liegt gut in der Hand und macht auch unter dem Nudelholz ganz gut was er soll.
Man soll ein langes Rechteck ausrollen, aber gleichmäßige Formgebung ist echt nicht so meine Abteilung. Ich bin schon froh, dass es kein Quadrat, oder kein Kreis ist.
Teig von der kurzen Seit bis zur Mitte umschlagen, sanft bemehlen
Das dann noch einmal falten wie ein Buch und bemehlen erneut nicht vergessen
Zurück in die Kühlform, ab in den Kühlschrank und wieder mindestens 30 Minuten kühlen lassen.
Diesen Vorgang soll man zwei bis dreimal überholen und das geht dann auch immer besser von der Hand. ich bin dann noch 10 km joggen gewesen und der Teig hatte Zeit zum Kühlen.
Wieder ausrollen
Wieder zusammenlegen
Erneut falten
Bemehlen
Wieder in den Kühlschrank. Wem jetzt schon schwindelig wird, ich habe das mit VIER Plastikdosen gemacht
Man bekommt jedenfalls immer mehr Schichten und je öfter Ihr das macht, desto besser wird der Blätterteig.
Und die Form wird immer besser.
Wenn Ihr drei oder vier Mal rum habt, dann seid Ihr stolze Besitzer eines eigenen Blätterteiges, für pikante Backwaren. Ich zeige Euch gleich mal ein paar Blätterteig. Wer da genug Zucker bei der Teigproduktion hinein gibt, kann auch einen süßen Teig damit bespielen.
Noch einmal richtig ausrollen
Ausstechen. Dafür habe ich ein ehemaliges Kerzenglas genommen, ungefährer Durchmesser wie bei einer Euromünze.
Viel Verschnitt fällt nicht an und den kann man neu verrollen.
Ausgestochenen Blätterteig auf Backpapier auslegen
Ein Eigelb mit Milch und Salz
1 Schuss Tabasco
Das soll nur lecker werden, nicht zu scharf
Blätterteig mit dem Ei-Milchgemisch verstreichen.
Paprikapulver
Ein bisschen über den Blätterteig stäuben  Backblech in den beheizten Ofen bei 220 Grad stellen, in die mittlere Schiene schieben
Unglaublich wie der Teig aufgeht. Das hätte ich niemals erwartet,
Da fühlt man sich echt, als wenn man das Rad erfunden hätte.
Das schmeckt ganz toll, ohne Palmöl, ohne Mononatriumglutamat. Ohne diese beiden Scheußlichkeiten findet man kaum irgendwas im Supermarkt im Knabberregal, also eine tolle Gelegenheit sich von dem Industrieschrott zu emanzipieren.
In diesem Beitrag ging es vor am um die Herstellung des Teiges. Den werde ich jetzt sicherlich öfter mal hervorkramen, wenn andere über die Unmöglichkeit referieren, den selbst herzustellen. Der Teig ist wirklich klasse. Ich hätte weder erwartet, dass es so einfach geht und erst recht nicht, dass der Teig so toll aufgeht. Jetzt weiß ich, warum ich den nicht fertig gekauft und auch nicht fertig im Blog gezeigt habe, bis ich mich selbst getraut habt. Danke für Eure Geduld.

Blätterteig alla Margherita (kommt)


Blätterteig als Zwiebelkuchen (kommt)
Viel Spaß beim Nachbacken und einen guten Appetit.

20 Kommentare

  • Nina

    Hallo,
    probier auch mal richtigen Blätterteig, bei dem Du die Butter eintourirst (und ohne Quark). Es ist echt nicht schwer, ich weiß auch nicht, warum das immer geschrieben wird. Klar, die Schichten werden vielleicht nicht 100% so sein wie bei dem industriell hergestellten, aber blättrig wurde es bei mir immer. Wesentlich schwerer dagegen finde ich Croissant- bzw Plunderteig, da dieser ja Hefe enthält und dadurch wesentlich widerspenstiger beim Ausrollen ist und zum Schluss ja auch noch mal gehen muss, so dass die Chance des Falschtourierens und dann auch noch Butterrauslaufens viel größer ist. Aber Blätterteig ist echt nicht so schwer…

    VG
    Nina

  • kochaddict

    Das kommt grad recht..wo ich ja ein absoluter Fan von Ragout fin bin und die Kaufpasteten durch die Bank bescheiden sind :O

    • das war auch schon mein gedanke, dass ich mich jetzt mal an dieses komische ddr zeug wie würzfleisch machen könnte, weil ich die pasteten selbst machen kann. muss jetzt nur noch eine vegane alternative für worcestersauce finden

      • kochaddict

        hmm was ist denn an Worcestersauce “fleischig”? Und wenn du Pasteten machen willst, machs lieber mit nem schönen Stück Fleisch sprich Kalb also z.b. Nuss..wenn man sich schon so ne Mühe macht mit den Pasteten, dann muss das auch ein Highlight sein 🙂 Bei uns gibts das einmal im Jahr 🙂

        • in der soße ist normal sardelle. damit fällt sie für mich aus. fleisch ist nicht mein problem

          • Nina

            Die von Appel ist vegan 😉

          • immerhin. dann muss ich mir jetzt nur noch ein nutzbares rezept für würzfleisch, oder ragout fin ergaunern

          • kochaddict

            igitt Sardelle find ich auch zum Davonlaufen :O
            Rezept fuer Ragout fin is nich so dramatisch: Schönes Stück vom Kalb mit Wurzelgemüse, Pfefferkörnern, Nelke und Lorbeer in
            Wasser schön sanft schmoren, dann Brühe auffangen. Das Stück Fleisch in schöne kleine Würfel schneiden.
            Sauce ist nichts anderes als ne Mehlschwitze mit der Kalbsbrühe und natürlich Worcestersauce, wer mag kann noch etwas Sahne hinzufügen und mit Eigelb legieren.
            Das alles dann schön in den Pasteten serviert, ein Genuss 🙂

          • ich habe auch schon was von zunge und anderem gedöns gelesen. das hat mich immer abgeschreckt in kombination mit der sardelle in der worcestersoße

  • kochaddict

    ja das wurde und wird noch stellenweise mit Zunge und Bries (hirn) gemacht..aber das is nix für mich..::

  • Britta

    Bries ist aber doch kein Gehirn, sondern die Thymusdrüse.
    Ein lymphatisches Organ beim Kalb (und auch beim Kind), das sich mit dem Erwachsen-werden zurückbildet.
    Ob’s schmeckt weiß ich jetzt auch nicht, aber es fällt bei jedem Kalb einmal an (ganze Verwertung und so) und ist zumindest mal kein Teil vom Nervensystem.
    LG Britta

    • schmeckt ja alles, wenn es gut zubereitet ist. das mit dem bries ist meines erachtens erst durch den rindwahnsinn zurück gegangen?

    • kochaddict

      Stimmt, Bries is die Drüse, die Klammer in meinem Post war falsch, denn Hirn wird in einigen Rezepten immer noch als Zutat gelistet..und mag sein
      dass das sogar schmeckt, aber da hab ich wirklich Berührungsängste…und Zunge hab ich einmal in meinem Leben probiert, war überhaupt nich meins..aber vllt auch einfach nur falsch zubereitet 🙂

  • Anne

    Ist mir gut gelungen. Ich finde, der Teig mit Quark ist leichter zu bearbeiten als der klassische Blätterteig, in den die Butter eingearbeitet wird und den ich früher gemacht habe. Finde ihn auch vom Geschmack nicht ganz so fett.

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