One Pot Braten – norddeutsch as fuck

Das ist ein gelungenes Experiment, genau richtig für Leute, die nicht lange in der Küche stehen und Ihre Gerichte gerne nebenbei kochen wollen, ohne dass man das beim Resultat merkt. Ich folge norddeutschen Traditionen, berücksichtige den Herbst als Saison und das mit dem Fleisch, ist echt ein krasser Stunt, aber seht selbst.

Zutaten:

1,3 Kilo Schweinenacken
1 Esslöffel Salz
Pfeffer
3 Knoblauchzehen
500 Gramm Pastinaken
1 Knolle Sellerie
1 Kohlrabi
2 Peperoni
5 Wacholderbeeren
3 Lorbeerblätter
2 Liter Wasser
3 Äpfel
gehackter Dill
1 Kilo Kartoffeln
2 Esslöffel Kartoffelmehl in Wasser aufgelöst.

Das Fleisch hatte ich vom Juby Markt. Das ist wie der Mix Markt ein Russenmarkt mit einer Frischfleischtheke mit Bedienung. Das habe ich nach dem Kauf aber nicht verarbeiten können und dann habe ich es eingefroren. Das Fleisch ist auf den Fotos auch noch gefroren. Meine Aufgabe ist es deswegen dafür zu sorgen, dass das Fleisch am Ende überall durchgegart ist, ohne dass es zäh wird und ohne dass man merkt, dass es vorher gefroren war. Man kann das natürlich auch mit Fleisch machen, das vorher nicht gefroren war. Das ist hier nur meine Extraaufgabe.

Das gefrorene Fleisch kommt in meinen besten Emailletopf

Drei Knoblauchzehen

Pastinaken schälen

Pastinaken zerlegen

Sellerie von der Schale befreien

Sellerie zerlegen

Kohlrabi schälen und zerlegen

Alles in den Topf geben

Einen Esslöffel Salz

2 Peperoni

Wacholderbeeren und Lorbeerblätter

Wasser aufgießen

Herd anstellen und darauf achten, dass das Wasser nicht sprudelnd kocht, sondern nur leicht simmert. Wenn das Wasser einmal kocht, dann auf kleinste Flamme reduzieren und auf sachte Hitze achten.

Nachdem es im Topf einmal gekocht hat und ich auf kleine Flamme reduziert habe, bin ich mit meiner Frau zwei Stunden spazieren gegangen und habe gar nichts mit dem Topf angestellt.

Das Fleisch hat 78 Grad, das ist die perfekte Kerntemperatur, als wir wieder nach Hause gekommen sind.

Gemüse aus dem Topf holen

Fleisch wieder in die Brühe legen

Drei Äpfel schälen

Äpfel zerlegen und entkernen

Äpfel in den Topf geben

Kartoffeln abwiegen

Kartoffeln schälen

Kartoffeln ebenfalls in den Topf geben

Alles so lange mit Deckel weiter garen lassen, bis die Kartoffeln gar sind. Weil das nicht kocht, sondern nur simmert, rechne ich mit 45 Minuten

Dill hacken. Das passt gut zu Äpfeln und Kartoffeln

Kartoffeln sind gar

Fleisch aus dem Topf holen, weil wir die Soße noch ein bisschen abbinden wollen.

Fleisch einschlagen, damit alles saftig bleibt.

Topfinhalt aufkochen

Speisestärke mit Wasser auflösen

´Stärke einrühren und zusehen wie die Soße andickt.

Pfeffer aus der Mühle und Salzgehalt prüfen

Kartoffeln sind durch

Soße dickt an

Jetzt das Fleisch auspacken und schneiden

Wichtig ist, dass man beim Schneiden die Fleischfaser verkürzt und nicht mit der Faser schneidet.

Wenn Ihr Euch vorne rechts anschaut, kann man den Verlauf der Faser gut anschauen. Da schneide ich dann leicht quer durch den Braten.

Das Fleisch ist total saftig und zart

Dill in den Topf streuen

Fleisch auf einer Platte mit den Kartoffeln und der Soße anrichten. Die Äpfel schmecken sehr schön hervor, aber sind weitestgehend verkocht.

Ich finde es sehr cool, dass das alles aus einem Topf kommt, dass eines nach dem Anderen schmeckt, dass es ursprünglich ist und vor allem merkt man nicht, dass das Fleisch am Anfang noch gefroren war.

Hier kann man sehr gut erkennen, wie zart das Fleisch ist. So stelle ich mir einen Schweinebraten z.B im alten Land, oder in Norddeutschen Obstanbaugebieten vor, wo saisonal mit dem gekocht wurde was vom Acker, vom Baum und aus dem Stall kam. Geschmacklich haut das voll hin, pikant mit leichter Süße der Äpfel.

Meiner Familie war das “zu viel Fleisch”, “nicht jetzt”, “was haben wir sonst noch”, “kenne ich nicht”, “wieso mit Äpfeln”? Bis auf meine Hedonistin (Margarete) am Tisch, war der Rest der Sippe ein Totalausfall. Ich bin dann immer froh, dass ich meinen Nachbarn Enrico habe, der sich darüber freut und das wirklich mag, wenn ich ihm den großen Topf mit den Worten überreiche, “Tut mir leid, kann man nicht essen. Kennste ja.”

Viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit

Print Friendly, PDF & Email

18 Kommentare

  • peter eitel

    Das möcht ganz schön lecker sein, auch wenn es optisch jetzt nicht soo ansprechend ausschaut, aber welcher gute Eintopf tut das schon….
    ich mag die Kombi von würzigem Fleischgeschmack mit Apfel sehr gerne;
    gerne bei gefüllten Wirsingwickeln, hübsch angebraten mit frischem Apfelmus und Salzkartoffeln. ist glaube ich so was hamburgisches. Hmmm.

    Die Traute, den noch harten Fleischklumpen einfach so in den Topf zu schmeissen hätte
    ich wohl nie gehabt, aber wenn du ja beweist, dass das anscheinend auch klappt, ist
    das ne gute info, Z.B. dann , wenn man “spontan” nen Janker auf Eintopf hat und man das nur deswegen nicht machen kann, weil man halt nicht schon am Abend vorher daran gedacht hat das Fleisch aufzutauen.

    • das war auch mein ausgangspunkt, dass ich wegen sonntag fleisch wollte, aber unentschlossen war. die reaktion meiner familie bestätigt das ja auch. für die muss man sich die mühe echt nicht machen.

  • peter eitel

    Finds eh bemerkenswert, mit welcher Ausdauer du immer auf die Vorlieben von 6 Leuten am Tisch eingehst. diese Geduld hätte ich wahrscheinlich nicht.
    Zumal ja eh jeden Tag die Karten für die individuellen No-Gos neu gemischt werden.
    Kochen für alle zur Zufriedenheit ist quasi Blindflug…

    Insofern gescheit, dass du denen beizeiten einige Gerichte beibringst, die wohl mögen.
    Wenns dir also doch mal zu bunt wird kannste sagen :
    Ok, Leute. Wenns euch nicht passt, kocht doch grad selber, was ihr wollt. Ihr wisst ja wie es geht. Ich mach mir halt meins.
    Musst dann nur stoisch zuschauen, wie die Gören sich paar Woche lang immer nur Pasta mit Tomatensauce reinstopfen bis die ihnen förmlich zum Hals raushängen .
    Aber irgendwann kommt der Tag des Triumphes, an den sie sagen werden:
    “Ui Papa, was du da gerade hast sieht aber schon auch arg lecker aus…”

    Ab dem Moment ist höchstwahrscheinlich alles Gezicke beendet.
    Eigene Erfahrung, denn ich war wohl so ca. sechste Klasse plötzlich bei Tisch unerträglich, wenn es nicht meine damalige Leibspeise gab und meine Mutter ist ähnlich vorgegangen…..
    Ab da: Friede Freude Eierkuchen am Küchentisch.

    • seit letzte woche freitag habe ich jeden abend gegen mitternacht waffeln aus 500 gramm mehl gebacken. jeden abend nehme ich mir vor, das am nächsten abend nicht zu machen, damit die bis die brut ins bett geht, wieder alle sind und einer brüllt laut, aber ich will morgen wieder welche zum frühstück essen. Gerade gab es döner selbst gemacht, mit selbst gebackenen fladenbroten und den obligaten salaten. da waren auch alle dabei.

  • Es ist immer wieder gut, einen Enrico zu haben. 😉 Entweder Enrico oder “Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!”. Oder: “Solange Du Deine Beine unter meinen Tisch … ” 😉

    • die brut lässt sich von nichts beeindrucken. die sind unbestechlich. wenn man döner macht wie heute, essen alle und keiner meckert.
      dann liegt es einfach an mir, dass es nicht kindgerecht und denen auch nicht zu vermitteln ist. keine ahnung, aber ich nehme an, dass viele
      gerichte auch eine gewisse reife der essenden benötigen.

      • Florian

        Das unterschreibe ich dir in diesem Fall bzw. bei diesem Rezept ohne zu zögern, wenn ich mich persönlich in meine Kindheit zurück versetzt fühle, hätte ich wahrscheinlich auch eher rückwärts nen Handstand gemacht als das auch nur anzurühren…

      • Tja, alles hat seine Zeit. Wobei Fleisch, das nur gekocht wurde, wirklich optisch wenig attraktiv ist, und immerhin muss Essen immer auch erst die Sichtkontrolle passieren, um evtl. gegessen zu werden. Und bei allem Respekt vor Deiner Kochkunst: Das ist eines der häßlichsten Gerichte, die ich in der letzten Zeit hier gesehen habe (oder auch schon immer). Aber es zählen auch die inneren Werte, und die werden eben auch erst mit einer gewissen Reife geschätzt. Lass sie erstmal soweit kommen, dass Essen zumindest auch eine erste Chance am Gaumen bekommt, und es wird die Erkenntnis siegen, dass auch häßliches Essen lecker sein kann. Manchmal isst das Auge eben nicht mit.

  • peter eitel

    Hihi, Jörg.
    Möglicherweise überschätze ich mich jetzt total, aber mir scheint dass mein erster kommentar einige folgeposts treuer mitleser (man kennt ja nun so paar namen)
    zur folge hatte. falls das tatsächlich so wäre: very nice!

    Insofern stimme ich besonders Kollege Dirk NB zu:
    ” nix besseres als nen Enrico als Nachbarn.” Zu früheren sehr lustigen und glücklichen zeiten hatte ich quasi Enrico, Enrica und deren zwei blagen als nachbarn.
    insofern weiß ich auch ohne eigene kinder ganz genau wie der hase läuft und bin absolut unchristlich aber dennoch verbindlich doppelter ” Taufpate”..mit allen Pflichten.

    Und nochmals Hihi, stimme ich dem allgemeinen konsens zu, dass das wohl mit alter und erfahrung zu tun hat , ob man sich nun traut bei diesem gericht auf dem teller einfach mal mutig zuzulangen, oder wie ich es sicherlich vor 50 jahren gemacht hätte, spontan strahlzukotzen.

    Eines jedoch ist absolut gewiss : egal wie schlimm die kleenen blöken, revoltieren und
    in letzter Verzweiflung perfekt gefakte Todesröchler raushauen, weil es gerade nicht die angesagte Lieblingspizza gibt. Einfach locker bleiben.
    Irgendwann kloppen sie sich regelrecht um den zuvor verschmähten Gurkensalat oder
    was auch immer, werden satt und glücklich einschlafen und feststellen, dass das ja
    eigentlich gar nicht komplett uncool geschmeckt hat. Bingo- moment..!

  • peter eitel

    Klaro bin ich mit meiner Herkunft nicht norddeutsch genug, aber dennoch glaube ich echt nicht, dass das nur mit dem Lebensalter zu tun hat.
    Nach meiner erfolgreichen “Umerziehung” habe ich nämlich später als nun immerhin Siebtklässler feierlich erklärt, dass Mutterns bereits erwähnte “norddeutschen” Wirsingrouladen ab jetzt und tatsächlich bis heute zu meinen Lieblingsessen gehört.
    Musst du unbedingt mal antesten.

    Keine Ahnung, ob du was mit Youtube Kochvideos anfangen kannst ( ich eigentlich eher nicht), aber diesen Zufallsfund solltest du ruhig mal anschauen:
    https://www.youtube.com/watch?v=LNDnCRxoD9A

    Ist “nur” ne vegetarische Variante mit Pilzen und Hirse gefüllt aber auch saulecker.
    Das Video ist zwar recht lang, denn der macht kaum Schnitte und zeigt den gesamten Prozess, aber der ist gnadenlos effektiv und es gibt keine 10 ungenutzten Sekunden;
    nebenbei noch prima erklärt warum und wieso er alles so macht. Alleine deswegen schon hübsch und lecker anzuschauen; euch wenn man vielleicht erstmal nicht allzuviel neues lernt.

    AABER: ab ziemlich genau 13.00 zeigt der einen echt genialen , supersimplen Trick um die Rouladen ohne kompliziertes Gedöns zu füllen und in eine tolle Form zu bringen.
    Das sieht dann aus wie ein auf magische Weise hergezauberter Miniwirsingkopf –
    an sich schon mal wunderbar, aber zudem wird dadurch die Relation von Füllung und
    Wirsingbatt absolut perfekt. Besser geht’s echt nimmer.

    • wird hier wieder mal keiner mögen, aber lust habe ich auf kohlrouladen. solche wie bei oma, oder mutter fehlen mir noch. das war so ziemlich das erste gericht, das meine mutter echt gut kochen konnte

  • Petra

    So, das Rezept musste es heute bei uns geben, da ich geanau all diese Zutaten dahatte und perfekt verwerten konnte und es mich auf den ersten Blick angesprochen hatte beim Lesen. Die Erwachsenen fanden es echt lecker und auf jeden Fall wiederholungstauglich, Tochter (7) meinte: “naja, verliebt bin ich nicht, aber man kann es essen”. Immerhin. Die matschigen Äpfel fand sie nicht toll, das zarte Fleisch schon 😉
    Nun ist noch ne Gemüsebrühe auf dem Herd, um das übrige Gemüse zu nutzen. Ich taste mich noch an “Simmern” heran, entweder blubbert es zu doll oder nicht :/
    Schönes Wochenende!

    • Hallo Petra, das freut mich sehr dass du das Rezept nach gekocht hast und es auch erwachsenentauglich findest. Bei mir waren die Äpfel fast weg. Simmerin ist ganz einfach. Wenn du bei deinem Herd erst einmal herausgefunden hast, welche Platte das am besten kann, es ist kein Problem mehr. Ich ziehe immer von der größten auf kleine Platten um, wenn es erst mal läuft im Topf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.