Süßer Aprikosensenf

Ich habe schon viel zu lange keinen neuen Senf mehr gezeigt. Dieses Mal ergab der sich fast von alleine aus den vorhandenen Materialien plus der Saison. In München wurde das Oktoberfest am letzten Wochenende eröffnet und dann habe ich noch 10 Kilo Aprikosen bei meinem Gemüsehakan bekommen, die ich zu Marmelade verarbeitet habe. Weil meine Frau im erweiterten Sinne aus Bayern kommt (Franken), habe ich gedacht so ein Kartoffelsalat mit Brühe und ein paar Weißwürste wird sie sicherlich nicht verschmähen und dazu braucht man dann auch einen süßen Senf. Schon war die Idee zu diesem Rezept geboren.


Zutaten:

100 Gramm Senfmehl
50 Gramm Senfkörner
heißes Wasser zum Bedecken der Senfkörner
100 Milliliter kaltes Wasser
100 Milliliter Weißweinessig
100 Milliliter Rapsöl
1 Teelöffel Salz
1 Prise Pfeffer
2 Schöpfkellen Aprikosenmarmelade (ca 1 Glas gekaufte)

Die Aprikosenmarmelade kochte noch auf dem Herd, aber ich habe schon mal für den Senf vorgearbeitet. Süßer Senf ist oft ein bisschen grober als “nomaler” Senf, deswegen nehme 50 Gramm Senfkörner für mehr Mundgefühl.
Senfkörner abwiegen.
Senfmehl abwiegen. Ich kaufe das immer bei Metro, Kilo für gute 7 Euro, aber das gibt es auch in besseren Supermärkten, oder online. Hatte ich früher auch nie, weil ich nie damit gerechnet hätte, dass man Senf selbst herstellen kann, aber das kann man wirklich immer gebrauchen und das sollte in keinem guten Haushalt fehlen. Man kann auch Senfkörner selbst mahlen, die gibt es immer und häufiger zu  kaufen.
Die Senfkörner mit kochendem Wasser übergießen.
Die Senfkörner sollen darin ein bisschen weicher werden, weil der Senf nicht gekocht wird.
Die Senfkörner gehen darin sehr gut auf und saugen das Wasser förmlich weg.
Senfkörner und Senfmehl in ein Litermaß umfüllen. Man kann je nach Menge auch eine Schüssel nehmen. Bei mir wurde das am Ende schon ziemlich eng im Litermaß.
100 Milliliter Rapsöl
100 Milliliter Wasser
100 Milliliter Weißweinessig
Somit sind schon alle Flüssigkeiten im Topf
1 Teelöffel Salz
1 Prise Pfeffer aus der Mühle
Mit dem Esge Zauberstab, oder einem Pürierstab alle Zutaten miteinander vermischen.
Wie immer braucht man ein bisschen Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, weil der Senf im ersten Moment noch ein bisschen flüssig ist. Wenn man das noch nie gemacht hat, kommen leichte Zweifel auf, ob das noch fest wird.
Das Senfmehl geht aber noch durch die Flüssigkeit auf und nach 15 Minuten ist das eine schön cremige Masse, die richtig Stand hat.  Gerade noch mal gut  gegangen. Nee, ich weiß das mittlerweile, weil ich bestimmt schon 50 Mal Senf gemacht habe. Wenn man das Prinzip verinnerlicht hat, kann man sich in Windeseile zum jedem Gericht einen passenden Senf machen. Dauert dann vielleicht noch 5 Minuten, wenn man weiß was man will.
So könnte man den als puren Senf schon verwenden, aber wir wollen ja süßen Senf machen.
Die Aprikosenmarmelade ist nun auch fertig und kann in Gläser abgefüllt werden.
Einen Teil (zwei Kellen) davon gebe ich jetzt gleich in den Senf. Ich hätte auch noch genug aus dem Glas gehabt. Das ist schon die zweite Rutsche Aprikosenmarmelade aus diesem Jahr.
Das muss jetzt noch unter den Senf gerührt werden.
Wieder mit dem Zauberstab, oder einem Pürierstab die Aprikosenmarmelade untermischen. Das geht natürlich auch mit jeder anderen Marmelade, kommt eben auf Euer selbst gewähltes Thema an.
Schon fertig
Ich sammel immer Senfgläser, wenn die leer sind, weil sie so praktische Deckel haben. Alle die mich ein bisschen besser kennen, denken auch an mich, wenn sie leere Schraubgläser etc haben, weil sie wissen, dass ich kaum irgendwas im Glas kaufe, aber die Gläser zum Einmachen, oder für Senf benutze. Leere Einmachgläser haben beim Kaufen ja echte Puffpreise, bei denen ich mich immer wieder Frage, wie ein Glas mit Erbsen und Wurzeln im Supermarkt nur einen Bruchteil eines leeren Glases kosten kann?
Senf umfüllen, verschließen und gekühlt aufbewahren. Schlaue Menschen behaupten, dass man den Senf vorher noch drei Tage reifen lassen soll. Das schaffe ich vor dem ersten Einsatz nie, weil ich den immer spontan herstelle, wenn ich welchen brauche. Kann man aber machen, dann verliert er noch ein wenig Schärfe.
Man könnte den Senf auch vorher aufkochen und heiß abfüllen und dann im Glas ein Vakuum ziehen lassen.  Dann würde er ewig halten. So alt soll der aber gar nicht werden. Der Senf hat übrigens so viel Feuer, dass der auch an der Luft stehend ein paar Wochen halten würde. Der kann gar nicht schlecht werden. Wenn er beim Lagern ein wenig eintrocknet, könnt Ihr den mit ein wenig Wasser wieder flüssiger machen. Wasser löst aber das Senfaroma aus dem Senfmehl und der Senf wird dann schärfer. Wenn Ihr einfach nur verflüssigen, oder neutralisieren möchtet, dann nehmt noch einen Schuss Öl. Das macht den Senf milder.
Bei selbst gemachtem Senf kann man sich von dem Senfgeschmack verabschieden, den man aus dem Glas und aus der Tube kennt. Von diesem Senf braucht man gaaaaanz wenig und er schmeckt total rein und sauber und natürlich extrem gut. Sonst müsste ich den ja nicht selbst machen, sondern könnte gleich welchen kaufen.
Voll geil, richtig Dampf und dann noch der süße Geschmack der Aprikosenmarmelade. Das ist auch toll zu Käse, wenn Weißwürste nicht gerade Saison haben, oder zum Mayonnaise schlagen, oder für Salatdressing, oder zum Grillen. Ihr seht schon, das sollte man einfach mal gemacht haben.
Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.

16 Kommentare

  • Ilka

    Hört sich lecker an. Hätte gerne eine Kostprobe davon…

  • kochaddict

    Super..bin ja auch so ein Senf-Selbstmacher 😀

  • Jessica

    Zu spät … 🙁

    Aber mal wieder ein cooles Rezept, auf das ich so nie gekommen wäre und dass man’s selber machen kann. Danke für die allabendlichen Anregungen und die Geschichten über Schnekerliese und co!

    Grüße

    • mal schauen was passiert, vielleicht mache ich noch welchen nach. ich habe so viel aprikosenmarmelade und senfmehl, dass ich das machen könnte.

      • Jessica

        Jaa, der Senf ist schon längst da, vom Meister persönlich. 1000 Dank dafür!

        Sehr lecker, eine richtige Geschmacksexplosion im Vergleich zum Kaufprodukt. Wobei – so was gibt’s wahrscheinlich auch gar nicht zu kaufen. Für mich fast ein bisschen zu scharf, mein Mann schaufelt ihn aber weg. Alles bekommt er aber nicht! 😉

        Jetzt bin ich aber angefixt, ich liebe nämlich körnigen Senf (aber nicht süß), den müsste man doch auch selbst machen können. Muss ich mal nachforschen…

        Viele Grüße und Danke nochmal!
        Jessica

        • hallo Jessica, ich war schon in sorge um dich, weil ich nix gehört habe. mein verdacht war, dass er dir zu scharf wäre. eigentlich ist der gar nicht so scharf, wenn man dazu irgendwas isst. wenn du mal “Senf” als Suchbegriff bei mir eingibst, findest du mindestens 20 verschiedene Rezepte für Senf in allen lebenslagen.

  • Heide

    Gilt das noch, mit dem Adresse schicken? ;o)
    Komme jetzt leider nicht mehr auf die Wiesn, früher war ein Jahr ohne Wiesn, ein vertanes Jahr für mich. Aber man wird ruhiger, wenn man älter wird. Wie lange hält der Senf wirklich, im Kühlschrank, wenn man ihn nicht so oft braucht? Schönen Abend und liebe Grüße, Heide

    • hallo heide, die beiden gläser die ich gekocht habe, sind leider schon weg, aber da hier so ein Interesse herrscht, werde ich noch mal 5 stück nachproduzieren. eines bekommt Jessica, eines kannst du haben, drei sind dann noch da. bitte die Anschrift auf glatzkoch@gmx.de schicken

  • Heide

    Danke, ist heute angekommen. Schmeckt super!

    • hallo heide,
      ich hatte schon angst, dass er euch zu scharf sein könnte. aber die schärfe verfliegt, wenn man den senf nicht pur isst, sondern mit wurst, oder so. außerdem braucht man davon nicht so viel, wie vom kaufprodukt

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