Rotkrautfrischkost – DDR Kochbuch 1979

Ich habe ein neues Kochbuch, das feiere ich richtig. Das heißt einfach nur “Kochen” enthält über 1600 Einzelrezepte und ist im Verlag für die Frau in Leipzig, 1979 erschienen. Meines ist die Auflage von 1984. Das stand bei uns vor der Haustür. Irgendwer stellt alles was nicht mehr gebraucht wird, auf ein Fenstersims und wer damit etwas anfangen kann, nimmt es dann mit. Bei Kochbüchern bin ich erster Mann an Deck. Das DDR Kochbuch, ist einem Kochbuch aus dem Westen in der Epoche nicht unähnlich und ich habe mich bei vielen Rezepten echt gewundert, wie sie dort mit Südfrüchten, Rinderfilet und allen möglichen Bückwaren, um sich werfen. DDR Küche zu zeigen, ist sowieso ein dünnes Eis, weil immer alle gleich rumbrüllen, so hätten sie das früher nie gemacht und dies gab es nicht und das auch nicht.

Hätten Sie mal alle dieses Buch gelesen, dann wäre das aktuell nicht der Landstrich mit der schlechtesten, fettesten und lieblosesten Küche der Republik, die ganzjährig immer nur die gleichen fünf Schwappegerichte aus fettem Schwein, mit Dosenkraut in rot, oder weiß, meistens Plasteklößen mit der Kochbeutelnaht und unmöglichen Soßenmengen ans Tageslicht befördern würde. Alle berufen sich immer auf das Buch “Wir kochen gut” und offensichtlich hat es ebenfalls keiner gelesen, so wenig wie meinen neuen Lieblingswälzer, mit dem ich mich nun intensiv beschäftigen werde.

Ich finde es toll und wer Lust auf einfache frische Gerichte hat, die ohne großartige Schnörkel auskommen, der kann mit mir echte volkseigene Küchenschätze entdecken, die älter als die Zone sind. Da wird einfach nur so gekocht, wie schon immer gekocht wurde.

Zutaten:

300 Gramm Rotkraut
1 Apfel
1 Zitrone bzw der Zitronensaft daraus
1/2 Teelöffel Salz zum Start
1 Teelöffel Pfeffer
1 Esslöffel Zucker
5 Esslöffel Rapsöl oder Rapskernöl
Petersilie
Es braucht echt nicht viel, nur ordentlich gemacht muss es sein.  Rotkohl schneiden, oder hobeln
In einer Schüssel zwischenlagern
Einen Apfel schälen
Apfel vierteln und die Kerngehäuse entfernen
Apfel zerkleinern.
Apfel ebenfalls in die Schüssel geben.
Rapsöl zum Salat geben. Ich habe gerade Rapskernöl im Anbruch. Das ist ganz hervorragend und sehr nussig. Es geht aber auch ganz normales neutrales Rapsöl.
Saft einer Zitrone
Salz und Pfeffer und Zucker
Alles verrühren.
Petersilie hacken
  Die Petersilie ist Frische und Deko gleichzeitigUnd hier trete ich dann gleich wieder den Beweis an, dass nichts besser schmeckt, als wenn es gerade ganz frisch zubereitet wurde. nicht lange mariniert, alles schmeckt noch nach sich selbst und der Geschmack verbindet sich lediglich im Mund und ist noch nicht von einer Komponente auf die andere übergegangen, hat kein Wasser verloren und ist noch so knackig wie sie sein kann. Salziges Salz, pfefferiger Pfeffer, dezenter Zucker, knallige Säure der Zitrone, nussiges Rapskernöl.  Herrlich!

Der Name des Salates ist natürlich 1a DDR, wo man wenig gerne in viele Worte gekleidet hat. Rotkrautfrischkost, klingt schon nach viel Spaß beim Essen und ist quasi linguistischer Karneval in Rio.
“Nu darfsch biddn, odor wollnse noch was essen?”

Ich liebe dieses schlichte und einfach und auf den Punkt zubereitete. Wozu braucht man Knorr Salatfick, wenn man sowas haben kann?
Schaut mal, da kommt noch was auf Euch zu. Lauter DDR Salate mit lustigen Namen, zum Beningeln, dass die ganz anders waren. Mir doch egal, wer schreibt der bleibt.  Viel Spaß beim Nachschnippeln und einen guten Appetit.

6 Kommentare

  • Angelika Hachmann

    Ich liebe Salate und freue mich schon auf deine ” neuen” Rezepte

  • kochaddict

    is ja lustig..hab mir vor einiger Zeit auch das beliebteste Kochbuch der DDR “Wir kochen gut” second hand gekauft.
    Da sind ne Menge einfacher aber guter Rezepte drin, ohne Chichi!
    Und falls du es noch nicht kennst, unter https://ddr-rezepte.net/ gibt es ne nette Sammlung 🙂

    • doch. “wir kochen gut”, habe ich auch. das ist o.k, aber sehr schlicht. liegt aber auch daran, dass es von 1968 ist und da war ja noch weniger versorgungslage als 1979. Ich mag beide bücher und die erfüllen beide ihren zweck

  • Sabine

    Da mich diese Rohkostsalate durch meine Ost- Kindheit begleiteten, habe ich mich vor einiger Zeit ebenfalls auf die Suche nach diesen Rezepten gemacht und ausprobiert. Nachdem sich beim Herumkauen auf den Kohlschnipseln der vertraute Geschmack nicht einstellen wollte, bin ich auf folgendes gestoßen: den kleingeschnittenen Kohl nach dem Salzen ein paar Minuten mit den Händen ordentlich durchkneten. Das macht ihn schön mürbe und den Salat insgesamt saftiger. Anschließend mit den anderen Zutaten mischen. So schmeckt es original wie früher!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.