Schweinefilet mit Rührei, Erbsen, Bratkartoffeln und brauner Soße.

Der Ausgangspunkt für dieses Gericht ist irgendeine Mäkelei meiner Kinder gewesen. Ich weiß gar nicht mehr welches Gericht die kollektiv bemeckert haben, aber das war für mich ausschlaggebend, ihnen den Auftrag zu erteilen mir aus dem Kochbuchfundus Kochbücher zu bringen und mir zu sagen, was sie daraus essen möchten. Ich habe natürlich auch noch weiter darin gelesen und noch andere Gerichte ausgegraben. Dieses Rezept verdankt Ihr meinem Sohn Fidi (10), der mir ein Kochbuch von Burda Moden aus dem Jahr 1978 angeschleppt hat. Eigentlich wäre hier ein Stück gepökelter Schinken die Fleischkomponente, aber da wäre meine Frau gleich wieder raus, weil die alles was gepökelt ist für Kassler hält und dann spontan verweigert. Also habe ich Schweinefilet genommen, das ich gerade mit 50 % Rabatt von Metro in Debstedt gekauft hatte und weil in finde, dass so ein Gericht noch eine Soße braucht, habe ich spontan eine sehr geile braune Soße gekocht. Keine Soße, um das Gericht darin zu ertränken, sondern als roter Faden für das gesamte Gericht, das alle Komponenten zusammen hält. Für mich ist das ein ganz besonderes Rezept, weil es besonders lecker ist.

Zutaten:

1,2 Kilogrmm Schweinefilet
1 Prise Salz nach dem Braten pro Schweinefilet
1 Prise Chiliflocken
Rapsöl zum Austreichen der Pfanne

Beilagen:

500 Gramm Tiefkühlerbsen
1/2 Teelöffel Salz
2 Esslöffel Zucker
50 Gramm Butter

Bratkartoffeln wie 1978 (anklicken)
Braune Soße wie 1978 (anklicken)
Rührei wie 1978 (anklicken)

Wichtig ist erst einmal das Mise en place, also die einzelnen Komponenten werden vorbereitet und dann überlegt man sich, was am längsten dauert und so geht man dann bei der Zubereitung vor.

Die Bratkartoffeln brauchen fünfundzwanzig Minuten in der Pfanne, die geben bei mir am Ende den Takt an, weil die Erbsen und das Fleisch kürzer in der Pfanne, bzw. im Topf brauchen

Die “Dosenmilch” musste ich ganz schön lange suchen, weil die hier nicht so oft Verwendung findet, aber ich wusst ich habe noch welche. Natürlich war die auch schon abgelaufen, aber wie soll die schlecht werden, bei einem, oder zwei Monaten Überziehung? Die Milch kommt später ins Rührei.

Meine jüngste Tochter Elisabeth (8) hat mir beim Schneiden der Kartoffeln geholfen

Die meiste Zeit beansprucht die Soße. Bei der schadet es nicht, wenn Ihr die schon am Vortag macht, oder Euch einfach Zeit lasst. Da sind schnell 90 Minuten weg.

Die Gemüsebasis für die braune Soße

Wie so häufig wird auch hier die Soße auf Mehlschwitzebasis gemacht. Das ist die arme Schwester von Knochen über Stunden auskochen, aber weit vor Maggi und Knorr und deren Tütenkünsten

Das ist das Fleisch. Daran habe ich Elisabeth demonstriert was parieren bedeutet, nämlich die Sehen zu entfernen. Schönes zartes Schweinefilet.

Anschließend bekommt das Filet einen Schmetterlingsschnitt, damit sich die Bratfläche verdoppelt und die Höhe halbiert. Ich kann auch mit einem ganzen Filet umgehen, aber zu dem Gericht empfand ich das als passender. Normal würde da schließlich ein gepökeltes Stück Schinken gebraten werden.

Soße ist immer noch im Werden

Filet mit Schmetterlingsschnitt

Die Soße wird jetzt eingekocht. Zusammen mit den Kartoffeln sind das beides meine Indikatoren, wann das Fleisch gegart werden muss, weil das kürzer dauert, als die Soße und die Kartoffeln

Bratkartoffeln sind in der Pfanne, dann haben wir noch 25 Minuten

Soße kocht ein

Bratpfanne mit Öl ausstreichen und Vollgas erhitzen

Weil es spontan war, war ich froh Erbsen im Frost zu haben. Die habe ich immer da, falls ich Hühnerfrikassee mache.

Fleisch vier Minuten pro Seite anbraten, Backofen auf 80 Grad heizen, da kann das Fleisch später ruhen

Wenden nach vier Minuten

Soße kocht ein

Rührei vorbereiten

Fleisch in den Ofen legen, die nächsten beiden Filets braten, das kann man auch in zwei Pfannen machen. Ich wollte nur nicht so viel Fleisch pro Pfannenladung nehmen, um die Pfannentempertur hoch zu halten, dann brät man schön an und kocht das Fleisch nicht nur. Das merkt man daran, wenn die Flüssigkeit austritt, statt dass das Fleisch Farbe bekommt.

Kartoffeln regelmäßig wenden

Elisabeth wendet selbst, wenn der Timer nach vier Minuten bimmelt.

Erbsen mit ein bisschen Wasser und Salz und Zucker und einem Stück Butter anwärmen

Kartoffeln im Blick haben und wenden

Soße bekommt eine immer bessere Farbe und kocht ein.

Fleisch ist fertig gebraten und wartet im Ofen bei 80 Grad.

Erbsen brauchen noch Gewürze

Salz, Pfeffer, Zucker

In der Fleischpfanne bereite ich das Rührei zu. Zwiebel anbraten

Wenn die Zwiebel glasig ist, kommt das Rührei in die Pfanne

Das Rührei bindet schnell ab

Zweimal schieben und mischen, sowie ein bisschen Würzen steht im Rezept)

Schon fertig, wenn Petersilie eingestreut ist.

Kartoffeln sind gebraten. Salz und Pfeffer und Petersilie in die Pfanne streuen

Fleisch salzen

Das Fleisch ist zart und saftig. Ich habe eben vier Kinder am Tisch, da serviert man es nicht halb roh, aber das ist subjektiv total o.k so.

Fleisch auf den Teller legen

Erbsen dazu auf dem Teller drapieren

Kartoffeln

Rührei

Jetzt kommt die Soße

Soße über dem Fleisch verteilen und an den Seiten runterlaufen lassen

Alle Komponenten sind jetzt auf dem Teller

Ich muss Euch jetzt etwas zu dem Teller sagen? Ich hätte das Gericht ohne das Kochbuch so niemals gekocht. Das ist wirklich sehr retro und nicht meine Kochsprache, wenn ich das definieren sollte.

Die Familie hat sich darauf gestürzt und die Teller total inhaliert. Bei denen ist es super angekommen und das war ja das Ziel.

Ich fremdel wie immer ein bisschen mit den Tiefkühlerbsen.

Das Rührei ist total lecker mit der Dosenmilch. Den Move sollte man sich wirklich merken. Die Soße ist richtig geil. Die ist sehr kräftig und schmeckt einfach nach viel Zeit auf dem Herd. Für so ein Gericht, das eigentlich keine Soßenbasis, wäre sie eigentlich prädestiniert aus dem Päckchen für Bratensoße, oder als Bratensaft aus dem Glas zu kommen. Die Tatsache dass sie da nicht herkommt, erhebt sie schon fast in den Adelsstandund macht aus so einem Kantinengericht eine Leibspeise.

Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.

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4 Kommentare

  • peter eitel

    ” retro hin, retero her….
    die Entscheidung ist nicht schwer”
    Wenn man mir sowas liebevoll und “modern” gemacht anbieten würde, wäre ich sofort
    dabei und würde sogar nen Klacks braune Sauce nehmen…( sowas mache ich hier nie)
    Ist halt so: alles kommt irgendwann mit Macht zurück – Schlaghosen, Blumenmuster,
    runde Sonnenbrillen usw. irgendwie doch auch mal wieder ganz dufte.
    Und – wart’s nur ab – verschwinden deine Kids im Keller, weil sie da irgendwas suchen,
    entdecken hinten im Eck die versteckelte Kiste mit deinen ” Jugendsünden – T – shirts”,
    die du aus romantischen oder sonstigen Gründen nie weggeschmissen hast…
    Und kommen johlend die Treppe hochgewetzt: ” Papa, sind das deine?? Sowas cooles
    hast du früher getragen??? Voll meeeega! Krieg ich das Rote?” ” Und ich das Grüne??
    Daaanke! ”
    Ohne ne Antwort abzuwarten wetzen sie in ihre Zimmer, ziehen die ollen Lumpen an
    und posten ein Selfie damit auf Insta. > nach 5 Min 179 likes > nach 2 Std gehts viral.
    Tja; für so ne Reichweite muss man schon massig hübsche Schlitzel braten..

    • Von mir gibt es nichts altes. Ich stand drei mal mit ner leeren Wohnung, nach der ersten Ehefrau und danach nach zwei Lebensgefährtinnen. Alles was die Zeit überdauert hat, war dann bei der Hausauflösung meiner Eltern weg, weil ich nicht wusste wohin ich irgendwas einlagern sollte. Von mir gibt es nur Geschichten.

  • peter eitel

    jaja, bei mir war es immer das verflixte siebte Jahr. Aber immerhin gab es korrekte
    ” Gütertrennung” auch wenn ich als mal davor stand , allen Krempel der blöden xxxx
    aus dem Fenster zu schmeißen…Miststück! Aber egal- man versteht sich halt doch
    wieder nach ewig langer Zeit….
    Bei mir gibt es eigentlich speziell klamottentechnisch auch nix altes, aber so alte Liebe
    hatte halt immer ihren Grund und ist irgendwie letztlich doch unkaputtbar.
    Quasi wie ne angeranzte aber endgeile Bratpfanne, die man auch niemals wegschmeißen
    würde, selbst wenn sie nervt – um mal wieder zum Blogthema zurückzukehren..

    • Meine Küchengeräte waren auch immer weg, inkl. Geschirr sonstwas. Am Ende war es nie mehr, als man auf einmal in einem kurzen, flachen Sprinter wegfahren kann.

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