Internorga 2026

Am Samstag war ich mit meinen beiden älteren Töchtern auf der Internorga in Hamburg. Das ist die Leitmesse für Gastronomie, Hotels und allem was mit Essen und Trinken zu tun hat. Ich gehe da hin, seit wir in Cuxhaven wohnen und Hamburg nicht mehr so weit weg ist. Das hindert Hamburg aber nicht daran, dass es bei nur 130 km Entfernung fast fast so lange dauert, wie die dreihundert Kilometer von Berlin nach Hamburg. Der Regionalexpress hält unterwegs an jeder Milchkanne an und ich würde es extrem begrüßen, wenn es endlich die seit fünfzig Jahren geplante Autobahn zwischen Hamburg und Cuxhaven gäbe und irgendwelche Ökospinner, nicht an jeder Ecke einen Feldhamster und eine Rohrdommel fänden, wegen denen dann nicht gebaut wird. 

Die Messe ist sensationell. Es gibt Kochvorführungen auf den Ständen der Küchengerätehersteller, Köche aus Funk und Fernsehen, Influencer, überall gibt es irgendwas zu essen und zu trinken, was in den meisten Fällen kostenlos ist. Verhungern muss man dort jedenfalls nicht. 

Starbuck’s hat dort einen Kaffeestand und da gibt es nichts zum Mitnehmen, sondern man sollte schon ein Anliegen haben und sich da nicht nur kostenlos durchsaufen und fressen. 

Mein Aufhänger war das Softeis, das sie dort für Softeisverkäufer vorgestellt haben. Das ist quasi das gleiche was man bei MC Donald’s als Mc Flurry kaufen kann, als Kit Kat, Smarties und Lion. Turns out, Starbuck’s gehört zu Nestlé und so ein Kaffeegetränk kostet um die 10 Euro, wenn man das in einer der Filialen trinkt. Prost Mahlzeit, aber das Eis war lecker. Habe ich im Hinterkopf. 

Das fällt nicht vom Himmel und man kann es überall seit Jahren sehen. Es gibt immer mehr Fertiggerichte die schon fertig geliefert werden und diese Bowls aus Belgien werden gefroren geliefert und sind dann nach dem Auftauen fünf Tage haltbar für den Verkauf an Endverbraucher. Das kann über den Tresen, aus dem Automaten, in der Systemgastro, oder ebenfalls im Restaurant serviert werden. Begründung ist, dass es kein Personal gäbe. 

Diese Marke kenne ich schon aus Berlin aus dem Mix Markt und ich sehe die ebenfalls häufig in Orientläden. Ich wusste gar nicht, dass die aus der Ukraine kommen

Ich will nicht in Abrede stellen, dass das irgendwo auch lecker exotisch ist, aber es hat eben nichts mehr mit dem klassischen Handwerk zu tun, wie ich das aus meiner Kindheit kenne, wo einer von der Handwerkskammer öffentlich hingerichtet wurde, wenn er keinen Konditormeistertitel hatte und nur dann Kuchen verkauft hat. Von den ganzen Farbstoffen, Stabilisatoren und Tonnen von Zucker will ich gar nicht anfangen zu reden und was ich eben am Ende nicht gut finde, ist dieser Mangel an Individualität den man damit erzeugt, wenn man überall das gleiche kaufen kann, was aber nicht mehr da hergestellt, wo es verkauft wird. Das müsste auch so gekennzeichnet werden, damit der Kunde die Unterschiede erkennen kann. Bei vielen Produkten arbeitet die Industrie daran, es so aussehen zu lassen wie hausgemacht, um den Kunden über die wahre Herkunft zu täuschen. Ich möchte als Gast aber die Handschrift des Koches spüren und nicht die des Labors. 

Speziell bei Backwaren von süß bis pikant, schlackert man echt mit den Ohren, was es alles fertig zu kaufen gibt. Teilweise werden aber auch nur Arbeitsschritte abgenommen und der Teig wird auf der Rolle geliefert. Da ist dann aber eben auch schon mehr an Zutaten für alles Mögliche drin, als wenn man den selbst macht. Das gefällt mir einfach nicht. Im pikanten Bereich gibt es das auch bei Nudeln, wo Nudeln als “frische Pasta” gehandelt werden, aber eben nicht im Restaurant selbst gemacht werden. Das ist meines Erachtens noch die lässlichste Sünde.

Sowas wird dann vor Ort montiert, aber noch ein bisschen offensichtlicher gekauft, gibt es das in jedem besseren Kühlregal beim Handelshof, Metro, Selgros oder so. Damit bespielen Leute Ihre (Eis)Cafés, oder Ihre Nachtischkarte und tun Wunder was es da gibt… 

Fertigteig mit Pudding aus der Packung, “Macht einmal zehnfuffzig, der Herr”

Die Nudeln schmecken sogar ganz gut und es ist eine Frage des eigenen Anspruchs. 

Nur natürlicher Farbstoff *hust* und französisches Handwerk aus der Fabrik zum Manfakturpreis. 

Es gibt jede Menge Thinktanks und Veranstaltungen, bei denen man sich ein paar Inspirationen holen kann. Es muss ja nicht 100 % die eigenen Vorstellungen abbilden,  aber es ist wichtig zu schauen und zu hören, was andere Leute für Ideen dazu haben. 

Sowas finde ich spannend. Zutaten für die Eisherstellung. Bei Softeis braucht man vor allem Milchpulver, Öl, Emulgator und dann den jeweiligen Geschmack. Je eigenständiger man das hinbekommt, desto mehr Alleinstellungsmerkmale hat man. 

Meine jungen Damen bekommt man natürlich am leichtesten mit allem, was irgendwie bunt und ein bisschen grell ist. 

Das ist eine Backbude die Millionen Croissants und anderes Backwerk herstellen und da kann man sich dann seine Backware füllen und dekorieren lassen. Entweder als fertige Auftragsarbeit im Karton mit Folie verschweißt, oder im fancy Crossant-, Donut-, Hastenichtgesehenbackshop, wo man sich selbst aussuchen kann, was für eine Füllung und welche Topping draufkommen. Schon sehr geil, wenn man den Rest ausblendet.  

Die Damen haben sich zwischen Dubai und Effect Energie bei den Croissant aufgehalten

305483058 Kalorien auf engsten Raum verpackt. 

Wenn man nicht aufpasst bekommt man davon offensichtlich ein Zungenrausstrecksyndrom 

Es wurde immer schlimmer, je länger die Messe dauerte. Wir waren sofort um 10 Uhr da und haben bis 18 Uhr zum Ende ausgehalten

Noch mehr Backwaren

Die Damen haben Drinks ohne Ende abgestaubt. Eistee, Fruchtsaftschorlen, Softdrinks. Alles was der Markt hergibt

Dementsprechend oft, mussten sie die Flüssigkeit wieder loswerden. Die Gesichtslähmung hält das aus. 

Zwischendurch ein bisschen TK Huhn vom Holländer. Ich frage vorsichtigerweise immer vorher, ob es wirklich Huhn ist, oder vielleicht vegan. Das ist nicht schlimm, aber ich weiß gerne vorher was mich erwartet. Da wurden unendlich viele “es ist nicht das wonach es aussieht” Produkte angeboten. Scheint der heiße Scheiß, zwischen Veganismus und Islamismus zu sein, der für die Surrogate sorgt.

Und der nächste Scam. Irgendwann gibt es in Düsseldorf ein Event mit über 10000 Gästen, die unter dem Namen Jamie Oliver angelockt werden und dafür richtig fett bezahlen sollen. Wie individuell soll eine Massenverpflegung für 10000 Leute auf einen Schlag sein? Der total sympathische Mann zwischen Margarete und Emma hat dafür Karten verteilt. Ich möchte schon mal abgesagen, obwohl ich gar nicht eingeladen bin. 

Auf dem Rundgang gibt es häufig Merchandise. Süßigkeiten, Kugelschreiber, Infomaterial, Mützen, Taschen usw. Die Damen haben sich reichlich eingedeckt, aber auch an die kleineren Geschwister zuhause gedacht. 

Habe ich Backwaren erwähnt?

Die hatten eine tolle Fotobox auf dem Stand, bei der man sich fotografieren und Ausdrucke mitnehmen konnte. 

Das ist das Tolle an so einer Messe, dass alle paar Meter irgendwas anderes passiert und so wird es auch nicht anstrengend . Ein paar schäne Erinnerungen gibt es obendrein. 

Seit locker zwanzig Jahren ein Klassiker beim gepflegtem Umtrunk. Der Partyschnaps, jetzt auch alkoholfrei. Den habe ich ohne Alkohol probiert, die Damen wollten lieber nen Fingerhut von dem richtigen trinken, wie am Wochenende bei der Landbevölkerung üblich. 

Noch ein paar schräge Postkarten mitnehmen

Der nächste Eistee mit Streetcredibility. Nur echt mit der Musik der 187 Straßenbande auf dem Messestand. Maga sagt, die Sorten des Tees wären die gleichen Geschmacksrichtungen wie bei Shishatabak. Wusste ich nicht nicht, aber ergibt Sinn. 

Immer gesund unterwegs. Mineralwasser 

Die Damen verkosten auch das.

Das ist meine persönliche Lieblingsveranstaltung von Rational. Kochgeräte die echt alles können und die ich auch gerne hätte, wenn ich gewerblich kochen würde.

Meine beiden persönlichen Highlights waren eher bescheidener Natür. Ich habe Kemal Ures getroffen und begrüßt. Der ist Gastonom und Gastrocoach und ich habe den schon fünf Jahre bei TikTok geschaut. Der ist unglaublich sympathisch und ich respektiere sehr was der sich aufgebaut hat. 

Und dann noch etwas. Der Anzug hat mir zuletzt irgendwann 2019 gepasst, danach nicht mehr. Vor ein paar Monaten trotz 10 Kilo Gewichtsabnahme immer noch nicht, aber gestern Morgen ging er mühelos zu. Da habe ich ich mich total gefreut. 

Ich hoffe mein kleiner Messerundgang hat Euch gefallen und da gehen wir nächstes Jahr auf jeden Fall wieder hin.

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