Zigeunersoße – politisch und geschmacklich korrekt

Da denkt man, man begleitet mal wieder irgendwas das keine Soßenbasis hat, mit einer klassischen Frittenbudensoße und schenkt Niveau lediglich durch frische Zutaten, da stelle ich beim Einlesen fest, dass da sogar schon der große Auguste Escoffier die Finger drin hatte und die Zigeunersoße bereits 1903 im Guide culinaire namentlich erwähnte. Sauce Zingara klingt natürlich auch noch eine Spur teurer als Zigeunersoße. 




Zutaten:

2-4 Paprika
6 Zwiebeln
3 Tomaten 
100 Milliliter Tomatenmark
1 Knoblauch
1 Peperoni
500 Milliliter Wasser / Brühe
Weinessig
1 Teelöffel Meersalz
Pfeffer
1 Esslöffel Zucker
2 Lorbeerblätter
2 Wacholderbeeren
1 Piment
Butter

Zwiebeln häuten und in dünne Ringe schneiden.

Butter in der Pfanne erhitzen. Willkommen beim Werbeblock, weil das nämlich meine Edition 8 von diePfanne.com ist. Oft kopiert und nie erreicht. Die muss man sich auch kaufen, wenn man eigentlich gerade keine neue Pfanne braucht, weil man DIESE Pfanne braucht, wenn man sie nicht hat. Geiler schwerer Trümmer, läuft geradeaus wie eine S-Klasse, beschleunigt wie ein 8 Zylinder und liegt in der Hand wie eine Bahnschranke. Die ist so schwer, dass ich die nur mit zwei Händen hebe. Warum man die haben sollte? Weil sie wie ein Kochkurs wirkt, den man nicht besuchen muss um trotzdem, bei allem was man macht, bessere Ergebnisse zu erzielen. Welche Pfanne kann das schon von sich behaupten und dann noch für so zivile Preise? 

Zwiebelringe in die Pfanne geben und bei mittlerer Hitze anschwitzen. Einen Esslöffel Zucker dazu geben. Dann karamellisieren die Zwiebeln

Paprika zerkleinern. Ich musste gerade 2 grüne Paprika loswerden, wer vier Stück hat, kann die auch in allen Farben verwenden. Ach ja, habe ich Euch noch gar nicht gezeigt. Mein neues Edition 7 Messer von diePfanne.com. Ich hatte schon so einiges, was dann immer mit wechselnden Gespielinnen, nach ein paar Jahren meinen Einflussbereich verlassen hat, aber so ein gutes Messer hatte ich noch nie. Das ist so gut, dass Claudia, Antje und Pernille sich eigentlich JETZT noch mal gepflegt ärgern dürfen, dass sie zwar immer den gesamten Hausstand über den Schnabel genommen haben, aber dabei nie so ein gutes Kochmesser erbeutet haben. 

1 Knoblauch häuten

Knoblauch zerkleinern

Paprika noch ein wenig mundgerechter schnippeln

Wenn die Zwiebeln ordentlich Farbe bekommen haben, dann geht es mit den anderen Zutaten in der Pfanne weiter. Ich habe oben in der Zutatenliste Tomaten stehen, aber die kosten im Moment über drei Euro pro Kilo (Stand Februar 2017). Fragt mich im Sommer noch einmal, dann packe ich da auch Tomaten rein, jetzt gerade nicht…

100-125 Milliliter Tomatenmark

1 Teelöffel Meersalz, Pfeffer aus der Mühle, Lorbeerblätter, Wacholderbeeren, Piment, Peperoni

Ich habe ganz schlau gedacht, wo Tomatenmark dran ist, nimmt man Rotweinessig. Herr Escoffier sagt Weißweinessig. Das passiert, wenn man erst kocht und sich erst hinterher durchliest, wie die richtigen Köche das machen.

Tomatenmark in der Pfanne anrösten und mit den anderen Gemüsezutaten vermischen, bis das Tomatenmark ein wenig dunkler von rot in Richtung braun umfärbt.

Wer hat nimmt 500 Milliliter Brühe, ansonsten 500 Milliliter Wasser

Pfanne mit einem Deckel abdecken und 30 Minuten auf kleinster Flamme auf der kleinsten Herdplatte einkochen lassen. Wenn Euch die Soße zu dick ist, Flüssigkeit gerne auch Weißwein, Brühe, oder Wasser nachkippen. Wenn sie Euch zu flüssig ist, einfach mal fünf Minuten mehr Temperatur geben, damit die Zigeunersoße einkocht. Wichtig ist halt DECKEL DRAUF, während sie schmort.

Während die Soße vor sich hinschmort, habe ich das schon angekündigte Fleisch ohne Soßenbasis angebraten
Bei einem weiteren Rezept habe ich die Zigeunersoße als Begleitung für einen Spaghettiburger verwendet. Die Rezeptmengen sind nur eine Fingerübung, bzw, für ein bis zwei Gerichte. Die Soße ist so toll, davon lohnt es sich auch größere Mengen in Gläsern einzukochen. Besser kauft man die nirgendwo für Geld.
Sehr empfehlenswert. Total runder Geschmack, dezente Schärfe, leichte süße, leidliche Anflüge von Salz. Die perfekte Soße zu Pommes, Kartoffeln, Fleisch ohne Soßenbasis, zu Nudeln, zum Grillen, oder wo Ihr sie dabei haben möchtet. Ach ja, zum Thema Zigeunersoße. Da geistert ja immer wieder durch die Presse, dass Zigeunersoße in einer Liga mit Negerküssen boxt und deswegen nicht mehr so genannt werden soll. Nicht einmal der Zentralverband der Sinti und Roma hat Einspruch gegen den Namen eingelegt, weil diese Soße nicht abwertend so heißt, sondern durch und durch positiv belegt ist. Da hat 2013 nur mal die judäische Volksfront für Aufsehen gesorgt und nicht die Volksfront von Judäa. Wer den versteht, ist über 40 ;-)…

Viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.

22 Kommentare

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