Blumenkohlrohkost mit Marinade Nummer IV aus der DDR

Diese Einleitung könnte einen Kilometer lang werden, denn ich ich könnte Euch jetzt so viel erzählen. Ich mochte Blumenkohl nie wirklich, ich habe den vor diesem Rezept noch nie roh zubereitet und falls mir den mal jemand roh serviert hat, ist es mir nicht aufgefallen. Das ist mein zweites Rezept aus dem DDR Kochbuch “Wir kochen gut” aus dem Verlag für die Frau in Leeeepzsch.  Vor ein paar Tagen habe ich schon einen Tomatensalat daraus gepostet. Ich feiere ja immer noch, denn solche Reaktionen hätte ich eigentlich nur Österreichern zugetraut, wenn man als Piefke ein paniertes Schnitzel brät und das ist nicht aus Kalb und liegt zu nah an der Soße. Oh oh oh… Wenn man den “Neubundesbürgern” dreißig Jahre später, als gelernter Wessi ein Ostrezept zeigt, dann ist man sofort mode.  Eisbergsalat gab es nicht, nein, so haben wir den nie gemacht, dies gab es nicht und das kommt auch nicht wieder rein. Ist doch Euer Buch und ich sehe jeden Tag, dass Ihr darin nie gelesen habt. Da ist nämlich mehr drin, als Klöße aus dem Kochbeutel und Dosenrotkohl bei 35 Grad Außentemperatur. Deswegen gleich mein zweites Rezept für Blumenkohlrohkost, mit Liebe vom Klassenfeind interpretiert.


Zutaten:

1 Blumenkohl klein, oder ein halber großer
Einige Salatblätter
2 feste Tomaten
1 Zitrone (habe ich erst ins Dressing gegeben), die soll eigentlich dafür sorgen, dass der Blumenkohl nicht braun wird.

Dressing:

Marinade IV = Salatsoße mit Ei
2 Eier
1 Teelöffel Senf (anklicken)
1 Teelöffel Salz
1 Teelöffel Löffel Paprikapulver
1 Teelöffel Zucker
3 Esslöffel Essig
4 Esslöffel Pflanzenöl
Dill oder Petersilie, oder Grünkraut
(Pfeffer) sag icke
Die Zitrone von oben…

Das ist in dem Kochbuch clever gelöst. Es gibt vier Grunddressings für Salat, die man immer wieder auspacken kann, je nachdem was man gerade begleiten möchte, oder wenn man es immer wieder anders aussehen lassen möchte. Ich könnte wetten, dass in der DDR Pfeffer knapp war, weil da nirgendwo Pfeffer in den Salatsoßen verwendet wird. Zumindest ist das ein Erklärungsansatz, warum ich so viele Ossis kenne, die von sich behaupten, dass sie nicht scharf essen können. Das bezieht sich jetzt nicht auf die Leute unter dreißig, die sind ja quasi auch im Osten im Westen aufgewachsen, sondern für alle die 40 plus sind. Vielleicht kann sich dazu mal jemand äußern, ob Pfeffer Bückware war. Das Buch ist ja schon von 1968. Vielleicht war das 1977, oder 1987 schon anders. Die Marinade Nummer IV ist jedenfalls eine Salatsoße mit Ei.
Ich springe beim Zubereiten ein bisschen hin und her, weil ich noch keine gekochten Eier fertig habe. Die sind wie oben zu sehen noch im Topf. Ich mache jetzt die Basis für das Dressing und gebe dann das Ei getrennt in Eiweiß und Eigelb später hinzu
Einen Teelöffel Senf. Ich habe meinen süßen Aprikosensenf verwendet, aber das fällt untere künstlerische Freiheit.
1 Teelöffel Zucker

1 Teelöffel Paprikapulver edelsüß
Einen knappen Teelöffel Salz, sonst schmeckt es nach nichts. Jetzt mache ich erstmal Pause mit dem Dressing, weil ich erst weitermachen kann, wenn die gekochten Eier fertig sind.  Pfeffer aus der Mühle.
Hier ist ein Blumenkohl. Mag außer mir echt keiner so richtig. Ich habe mir den aber ebenfalls erst in den letzten Jahren erschlossen, seit ich meinen Blog habe und immer irgendwas anderes zeigen muss. Sonst wäre man schnell am Ende, wenn man bei Gemüse alles mögliche nicht essen würde.
Blätter entfernen
Das Rezept sagt einen kleinen Blumenkohl, deswegen habe ich den geteilt. Mit der anderen Hälfte habe ich auch noch etwas lustiges angestellt, das zeige ich Euch in den nächsten Tagen.
Den halbierten Blumenkohl auf der Standreibe reiben.
Kein Problem.
Ich lasse mich mal überraschen. Wie gesagt, ich habe den wissentlich noch nie roh gegessen.
Eine Salatschüssel nehmen und den geriebenen Blumenkohl darin lagern.
Zwei Tomaten. Ich weiß, die eine ist sehr klein, aber ich bin fest davon ausgegangen nicht mehr zu haben und hatte die 5 Kilo, die noch in der Kiste hinter der Wand standen, komplett verdrängt. Ich dachte mir so, ein bisschen gezeigter Mangel bringt Authentizität.
Tomaten zerkleinern.

Die Tomatenstücke sollen mundgerecht sein.

Schweeß, mir haddn gor geen Eisberschsolod, aber ich hatte gar keinen Kopfsalat und wer das original ostzonal nachbasteln möchte, kann ja auch gerne einen grünen Salat nehmen. Weil ich mich von Montag 9 Uhr bis Samstag 15 Uhr mit der Verdinglichung meiner Arbeitskraft beschäftige, habe ich im Normalfall nur Gemüse zuhause, das auch eine Woche, zwischen zwei Wocheneinkäufen hält. Hatte ich schon erwähnt, dass ich im Studium in den ersten drei Semestern Marxistische Weltphänomenologie lernen musste? Im Westen!!! Rote Kaderschmiede Universität Bremen.
Ein bisschen Salat zerkleinern.
Alles rein in die gute Schüssel. Das DDR Kochbuch sagt übrigens, dass man niemals Salatschüsseln aus Metall verwenden sollte, weil Salate darin schneller verderben. Finde den Fehler ;-). So alt ist der Salat auch gar nicht geworden, weil er gleich gegessen wurde. Höchstwahrscheinlich gab es nur gerade keine Edelstahlschüsseln zu kaufen. Punkt!
Die Eier sind in 10 Minuten hart gekocht und unter kaltem Wasser abgeschreckt, damit man sie besser zum Pellen anfassen kann.
Schale ab.
Eier halbieren.
Eigelb aus den Eiern entnehmen und zu den anderen Zutaten für das Salatdressing geben.
Das Eiweiß wird später noch zerkleinert.
Alle Zutaten im Dressing vermischen und das Eigelb zerdrücken.
Weißweinessig
3 Esslöffel
Saft einer Zitrone

4 Esslöffel Öl (Rapsöl)
Alles vermischen. Schmeckt richtig gut und da kann man mal sehen, wie einfach Salatdressing geht. Wer sagt, er kann das nicht und muss deswegen immer fertiges aus der Flasche nehmen, ist nur zu faul zum Lesen.
Eiweiß zerkleinern
Das kommt ebenfalls in den Salat
Das Salatdressing mit dem Salat vermischen.
Petersilie hacken und dann das Salatdressing über den Salat geben. Ich würde das direkt vor dem Servieren machen. Die Tomaten und der Salat werden nicht besser, wenn sie lange marinieren.
Alle Zutaten vermischen.
Jetzt kann serviert werden.
Damit es nicht ganz so trist auf dem weißen Teller aussieht, habe ich noch ein paar Streifen Salat darauf ausgelegt.
Anschließend die Blumenkohlrohkost darauf auslegen.
Das ist ein ganz feiner Salat, der mir richtig gut schmeckt. roher Blumenkohl ist wirklich lecker, das Salatdressing hat Weltniveau und ist wirklich tauglich.
Damit kann man sich um einiges schlauer essen, als man vorher war. Einfach und gut, es war nicht alles schlecht in der DDR, früher war das Gemüse viel besser, draußen gibt es nur Kännchen. Sucht Euch was aus.
Dieses Rezeptbuch ist ein echter Schatz und damit werde ich Euch noch ein paar Mal auf den Sack gehen, egal wer hinterher jedes Mal meckert und den Witz nicht versteht.
Viel Spaß beim Nachschnippeln und einen guten Appetit.

16 Kommentare

  • Das mit dem Pfeffer ist eine gute Frage. Ich bin – fürs Protokoll – ein Jahr jünger als das Buch und würde behaupten, dass es in der DDR Pfeffer gab. Allerdings immer nur gemahlenen. Vermutlich (ähnlich wie beim gemahlenen Kaffee) zeitweise auch mal ein wenig gestreckt. Man müsste ja nur mal überlegen, ob irgendeins der ehemaligen Bruderländer damals (und heute) ein Pfefferanbaugebiet war/ist. Selbst Paprika ist mir irgendwie in Erinnerung. Aber eben Paprika, keine Unterscheidung in scharf und edelsüss. Und Kräuter kamen aus dem (Klein-)Garten.
    Und, um das oben definierte Klischee zum Einsturz zu bringen (oder wenigstens etwas anzukratzen): ich esse auch scharf, kenne aber auch viele jüngere, die nicht scharf essen. Ich kenne sogar jemanden U40, da darf das milde Paprikapulver beim Kochen nicht mal neben dem Topf gestanden haben. 😉

    • danke für die zeitgenössischen eindrücke aus der ostmark ;-). im westen war auch nicht alles wie es heute ist und da geht es auf beiden seiten um einen zeitraum von insgesamt über 45 jahren. ich prangere das nicht an, sondern ich beschreibe das bloß aus meiner subjektiven sicht und versuche aus dem buch herauszulesen, was es zu kaufen gab. im westen konnte auch keiner richtig scharf essen, das wurde erst mehr durch die gastarbeiter und durch die fernreisen, dass man mit scharfen gerichten in berührung gekommen ist. schärfer als meerrettich gab es eher selten.

      • Da muss ich dich leicht korrigieren, die Ostmark liegt südlicher. Und Ironie funktioniert schriftlich nicht. 😉

        • ich weiß, aber das habe ich gerade bei jemand anderem gesehen, dem so’ne peggy abgesprochen hatte, dass er seine pizzen selbst ausrollt. der war ganz penibel und hatte eingezeichnete kreise, um die pizzen auf das richtige format zu rollen und stach die auch noch mit nem ring aus. der schimpfte dann über die dame, als bewohnerin der ostmark. fand ich extrem lustig

    • Tanja

      DirkNB…kann alles unterstreichen was du geschrieben hast. Bin 47 und ich kenne Pfeffer. Gab es auf jeden Fall. Und ich esse gern scharf. Es darf auch mal Tabasco sein🤣
      LG

      • tanja, das spricht ansolut FÜR dich. ich habe tabasco selbst gemacht in einer milden grünen version. gibt es hier auch im blog. im moment fermentiert gerade eine scharfe rote variante, wenn sie mir bis dahin nicht schlecht wird.

  • chrizzz_tine

    Hm. Ich bin selbst auch ein DDR Kind, aber deine letzten beiden Rezepte (Tomatensalat und das hier) sind mir da nie begegnet. Tomatensalat kannte ich aus der Zeit nur mit Tomaten, Zwiebeln, Salz, Pfeffer. Und ja, das mit dem rohen Blumenkohl – nie gehabt damals. Aber gut, die DDR war groß 😀

    • ist doch normal. meine mutter hat das dr oetker kochbuch von 1957 und hat es scheinbar nie gelesen, so wie sie kocht. das bekommt man geschenkt, zur hochzeit von der sparkasse, zur ehevorbereitung von keine ahnung, oder tante hastenichtgesehen. die fangen nur staub und wer reinschaut, ist hinterher eben schlauer. das wir kochen gut buch, wird halt so oft bejubelt und ich sehe niemanden, der es auch anwendet.

    • Genau: Es war die größte DDR der Welt! Aber Scherz beiseite. 😉

      Das mit den Rezepten, die ich nicht kenne, finde ich immer wieder. Beispiel: Eine TV-Sendung, die sich mit Rezepten aus Mecklenburg-Vorpommern (mein Heimatland) befasst. Oder eine Top 10 auf irgendeiner Rezeptwebseite mit den beliebtesten Rezepten aus M-V. Gemeinsames Ergebnis: Ich kenne höchstens die Hälfte der Gerichte. Einzelne würde ich auch nicht mit dem Land verbinden.

      Immer wieder komisch.

  • Antje

    Ich bin noch etwas älter als das Buch, dass ich übrigens nicht kenne. Pfeffer war definitiv keine Bückware, den gab es immer, auch in ganzen Körnern. Ich wüßte auch nicht , dass sonst irgendein Gewürz Mangelware war, also zumindest das grundlegende wie Salz, Pfeffer, Paprika, Muskat, Lorbeer, Wacholder, Nelken usw. diese ganze Misch- und Mixpampe gab es damals nicht, aber das war ja auch gut so. Scharfes Essen kenne ich von zu Hause nicht, kann da aber keinen sozialistischen Grund nennen, schätze es heute aber umso mehr. An deinen Rezepten schätze ich das unschnörkelige, ursprüngliche, da sieht und schmeckt man, was drin ist. Echt spitze! Und an den Rezeptbeschreibungen hab ich schon echt viele Tränen vergossen, natürlich vor lachen! 🤣 Mach weiter genauso, ich freu mich jeden Tag drauf! 👍

    • vielen herzlichen dank für die warmen worte. du hast es genau verstanden. ich mag gerne unterhalten und ich möchte weg von diesem ganzen verkleideten zeug. dinge so schmecken lassen wie sie schmecken und sie oft neu entdecken und ganz häufig feststellen wie gut irgendwas schmecken kann, was man früher immer total doof fand. schön dass du mitliest und danke für das kommentieren. gruß jörg

  • kochaddict

    Das Oetker Kochbuch war aber echt nen Standardwerk…aber ich glaube dieses “Wir kochen gut” muss ich mir auch mal angeln 🙂

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