Sauce hollandaise – easy mit der Hand gerührt

Die ganzen Tütenfürst*innen übertreffen sich schon wieder gegenseitig beim Bullshitbingo welche Fertighollandaise “am besten” schmeckt. Da könnte man sich auch darüber unterhalten, welcher Hundehaufen am besten riecht, oder welche saure Milch im Kaffee am hübschesten ausflockt. Das ist einfach nur Geschwätz und dokumentiert komplette Ahnungslosigkeit, weil niemand so einen Fertigschrott ohne Butter, als Soßenbegleitung akzeptieren würde, wenn man selbst wüsste wie es geht und vor allem, wie es im Unterschied dazu schmeckt. Klar, jetzt ist Spargelzeit und da herrscht großer Hollandaisebedarf. Was würdet Ihr sagen, wenn das ganz einfach wäre, so eine Soße frisch zu schlagen, oder zu rühren?

Zutaten:

3 Eier (komplett) ja, ohne Schale
1/2 Teelöffel grobes Salz
150 Milliliter trockener Weißwein
50 Gramm Butter
1 Prise Pfeffer aus der Mühle

Eier aufschlagen und verquirlen, Butter in eine Schlagschale geben. Die Schlagschale steht auf einem Wasserbad, das ist ein kleiner Topf mit kochendem Wasser und darüber die runde Schlagschale, die vom Wasserdampf des darunter stehenen Kochtopfes erhitzt wird. Der Herd läuft auf Vollgas und die Butter schmilzt. Wer das Narrativ vom Bösen Ei mit Salmonellen verbreiten möchte, kann sich auch pasteurisiertes Eigelb kaufen und es hier verwenden.

Trockener Weißwein

Salz und Pfeffer aus der Mühle

Jetzt das verquirlte Ei dazu gießen und mit dem Schneebesen im Kreis rühren.

Man kann sehen, wie die Masse in dem Maße heller wird, in dem sie stockt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man da erstmal nervös ist, weil man Angst hat, dass die Soße gerinnt und dann wie Rührei aussieht, oder auch doot, gar nicht erst fest wird.

Erste Anzeichen dafür, dass die Soße anzieht, sind die schaumigen Bläschen am Rand.

Dann wird die Masse am Rand fester und Ihr rührt die wieder in die Soße rein.

Wenn man dann so tapfer weiter rührt sieht sie so aus. Sehr geil. Falls die Sauce hollandaise über 70 Grad gerinnt, einfach nur ein paar Tropfen Weißwein, oder Wasser dazu geben und damit die Soße wieder glatt rühren. Ich drehe einfach den Herd immer weiter runter, je fester die Soße wird, dann passiert das gar nicht erst. Das macht aber die Routine, wenn man das schon zehn Jahre macht.

Das dauert nicht länger, als es dauert ein Tetrapack mit Tütendreck von Lukull, Maggi, Thomy, Kania, Knorr und wie die üblichen Verdächtigen heißen, zu erhitzen und schmeckt im Vergleich 2304583578 Mal besser. Ich weiß, eine echte Sauce hollandaise wird mit einer Weißweinreduktion gemacht, aber das wenden Leute als Gegenargument ein, die sonst eine Soßenpampe fressen, die nicht einmal Butter enthält? Was spricht gegen den frischen Geschmack eines frischen trockenen Weißweins? Nichts, eben!

Ab an den Tisch mit dem guten Gelumpe

Blumenkohl aus dem Ofen mit Sauce hollandaise

Schnitzel und Spargel und Blumenkohl mit Sauce hollaindaise. Das schmeckt richtig gut, ein bisschen eckig und kantig, cremig und die leckerste Soßenbasis der Welt, weil man daraus auch eine béarnaise machen könnte, wenn man noch Estragon und Kerbel dazu gibt.

Ich will dieses Geschwätz nicht mehr hören, dass man das gar nicht frisch machen muss, dass die Tütenrotze besser schmeckt. So einen Scheiß erzählen ja die Leute mit den degenerierten Geschmacksnerven, dass denen eine frische hollandaise gar nicht so gut gefällt, wie der Kaufschrott. Alles nur weil sie faul und vor allem dumm sind, oder war es umgekehrt? Sagt es mir.

Dazu gibt es noch ein separates Rezept, denn mit der restlichen Sauce hollandaise habe ich am nächsten Tag einen Kartoffelsalat gemacht

Das gibt ein großes Hallo

Ich wünsche viel Spaß beim Nachrühren und einen guten Appetit.

33 Kommentare

  • Barbara

    Hollandaise nur selbst gerührt, deshalb esse ich Spargel auch nur zuhause.
    Ich mache sie nach dem Rezept von Wolfram Siebeck: drei Eigelb plus 150 g Butter. Das lässt sie nicht ganz so puddingartig werden.
    Für mich war es immer stressig die Hollandaise gleichzeitig mit dem Spargel fertig zu bekommen. Ein Koch hat mir dann erklärt, dass man unter die fertige Sauce ganz wenig eiskaltes Wasser schlägt . Man nimmt sie dann vom Herd und sie wartet auf den Spargel. Dann nochmal kurz ins Wasserbad und servieren.
    Auf dem Induktionsherd kann man sie sogar ohne Wasserbad montieren.

    • Wolfram Siebeck war früher echt Graf Porno, bis er sich dann in seinen letzten Jahren darin verstieg, dass früher alles besser war und nur noch Phrasen drosch, bei denen man am Satzanfang schon das Ende kannte. Aber er war ein super Koch und hat mich sehr inspiriert.

      • Barbara

        Siebeck und Gert von Paczensky haben damals viel für die gastronomische Szene in Deutschland getan.
        Eine Lektorin erzählte mir mal, dass seine Kinder bei Tisch in Stress gerieten, wenn ihnen keine passende Bewertung für das servierte Essen einfiel, und sie feine Nuancen nicht rausschmeckten.
        Wir haben ihn bei einer Buchvorstellung im Tantris kennengelernt, da war er sehr jovial und umgänglich. Und etwas eitel auch.

  • Vera

    Würde ich ja mal ausprobieren. Aber scheitert schon daran, dass ich keine Schlagschale habe und auch nicht weiß, was das genau ist. Du könntest gerne mal ein Foto davon zeigen.

  • Vera

    Hallo an alle,
    Ich habe noch eine andere Frage, nicht zur Hollandaise.
    Kann mir hier jemand ein Kochbuch für den Slow Cooker empfehlen? Ich möchte insbesondere Fleischgerichte machen.
    Ich habe mir das Slow Cooker Grundkochbuch von Gabriele F. gekauft, aber das gefällt mir gar nicht. Es werden darin zu viele Fertigprodukte und Konserven als Zutaten verwendet.
    Ich suche eines mit einfachen Rezepten und natürlichen, unverarbeiteten Zutaten.
    Vielleicht hat ja jemand einen Tipp 🙂

  • Ellen

    @ Vera, Schau doch einfach im Netz nach Slow Cooker Rezepten. Da brauchst Du nicht extra ein Buch kaufen und rumliegen haben. Ich habe schon viele leckere Rezepte gemach egal ob Fleisch oder vegetarisch. Das Highlight war das Pulled Pork.
    LG Ellen

    • Vera

      Ja vielleicht hast du recht. Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass ich ein Buch nach meinem Geschmack finde… dann googel ich mir das wohl mal zusammen.
      Oder ich fang an selbst Rezepte zu erfinden, wenn Jörg das kann, könnte ich das auch versuchen 😅

    • anja

      guten abend joerg,
      in einem italienischen kochbuch habe ich von spargel in vakumierbeutel gegart gelesen. haben sie das mal probiert? herzlichst, anja

      • Das habe ich in der Tat noch nicht probiert, weil ich keine Vakuumierbeutel habe

      • peter

        @ Anja
        Im Vakuumierbeutel finde ich das etwas seltsam; aber was super wird ist
        die einzelnen Bündel in ein Backpapier hübsch einzuschlagen. Nur mit ein
        wenig Butter und -wer mag Zitrone oder Parmesan – dazu. Das wird bombig,
        quasi im Ofen im eigenen Saft dampfgegart. Soo zart aber dennoch bissfest.
        Die Franzosen nennen das ” en papillotte” (- quasi in der Tüte oder so halt..).
        Ganz tolle Methode auch für edlen Fisch auf nem Gemüsebeet oder ähnliches.
        Sieht beim Auspacken auf dem Teller spitze aus wie im Nobelresaturant und
        ist besser als in Alufolie, was natürlich auch ginge.
        Einfach mal googeln…

  • Das ist ja mal eine ganz andere Variante: Ei in die flüssige Butter. 99% aller von mir persönlich(!) gesichteten Selbstaufschlag-Hollandaise-Rezepte machen es andersherum. Bis hin zur einfachsten, der Majonäse abgeschauten Variante mit dem Pürierstab. Teils mit kalter Butter, teils mit flüssiger … Ein Strich mehr beim Variantenzähler. 😉

  • vivian

    Ich mache meistens eine Blitz-Hollandaise im Mixer und schütte die dann in den isi Whip. Das hat meine Hollandaise auf ein neues Niveau gehoben, wenn auch etwas anders als in der klassischen Küche.

    • Ja, die schnelle ist ohne Reduktion, aber bevor man so nen Palmölschrott ohne Butter aus der Packung isstm ist die schon Gold dagegen. Die Tütenfresser sollen mal die Kirche im Dorf lassen, beim Rechtfertigen ihrer Plörre. Dann wissen sie plötzlich was in eine hollandaise reingehört und wie sie aussehen muss, aber sonst nur den Schrott fressen.

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