Senf im Handumdrehen

Kochen bildet. Je öfter man irgendwas macht, desto einfacher wird es. Man baut dann auf seinen Erfahrungsschatz auf und kann daraus weiter wachsen, wenn man die Basis verstanden hat. Viele Leute fühlen sich direkt persönlich beleidigt, wenn man denen anrät, doch mal Zeit in der Küche zu verbringen und nicht immer nur Fertigzeug zu erwärmen. Dann holen sie eine Viertelstunde aus, um mir irgendwas vom Alltag und der Lebenssituation zu erzählen, warum sie deswegen immer noch auf dem geistigen Stand eines Bauzner Senf Plapperers sind und ausgerechnet dieses graue Senfsurrogat verbal über alle im Handel erhältlichen Senfsorten stellen, selbst gemachten gar nicht zu erwähnen. Lustige Begebenheit, während die 15 Minuten schwadronieren, nutze ich zehn Minuten davon, um selbst Senf, Ketchup und Mayonnaise zu rühren. Länger dauert es nicht, wenn man die Zutaten lagernd hat.

Zutaten:

4 Esslöffel gelbes Senfmehl
1 Teelöffel Salz
1/2 Teelöffel Chiliflocken
100 Milliliter Wasser
50 Milliliter Essig
50 Milliliter Rapsöl

Ich habe Burger gebaut und beim Brötchen angefangen, alles selbst gemacht. Das ist so geil, wenn es nicht nach Konservierungsmitteln schmeckt und es macht süchtig, diese Frische in den Salatzutaten und den Soßen zu spüren. Ein frischer Senf ist erstmal ein krasses Geschmackserlebnis, weil wir auf alles verzichten, was man normal macht. Da wird Senf erstmal ein paar Tage reifen gelassen, damit der milder wird. Hier nicht, da wird der gerührt und so wie er ballert in geringen Dosen sofort konsumiert. Was übrig bleibt, kann dann ja lagern und reifen.

Senfpulver und Wasser in die Schale geben

Rapsöl

Grobes Salz

Chiliflocken

Weißweinessig

Alles schön gründlich und klumpenfrei verrühren

So schwierig ist Senf, deswegen macht ihn auch keiner selbst, weil das so eine Hürde ist. Senfpulver im Internet bestellen, oder bei Metro, oder beim Russenmarkt kaufen. Wenn man diesen Senf kann, dann kann man jeden anderen daraus ableiten. Mit Honig, mit Knoblauch, mit Apfelmus, mit Saisonobst, Feigen, Ahornsirup, Röstzwiebeln. Der Senfhersteller weiß nicht, was Du damit begleiten willst. Da bekommt jeder den gleichen Senf für alles. Hier bist Du der Chef in drei Minuten. Geil, oder?

Alles in zehn Minuten und Rezepte bekommst Du auch noch. Senf, Ketchup und Mayonnaise

Nur ein Klecks Senf reicht. Daran muss man sich erstmal gewöhnen, dass Dinge richtig schmecken und man darin nichts begraben muss, damit es danach schmeckt.

Viel Spaß beim Nachrühren und einen guten Appetit

22 Kommentare

  • Esther

    Jörg, Du bist so besänftigend. 😉

    Senf werde ich bald auch selber machen. Der Nachteil beim Selberkochen ist, daß es einem in Restaurant nicht mehr schmeckt. Das ist so. Meine Frikadellen sind beispielsweise dermaßen lecker, so etwas finde ich draußen nicht, selbst nicht in altgedienten Kneipen. Mittlerweile mischt man so viel Brot unter, daß es vegetarisch wird. Die Pappe klebt mir fast den Hals zu.

    • Das ist allerdings wahr. Wenn Du Dich nicht mit anderen Köchen umgibst, lädt Dich irgendwann auch keiner mehr zum Essen ein. Immerhin besuchen einen die Leute dann gerne 😉

  • Haifisch

    so ist es, das stimmt…

    .. ich geh nicht gern essen.
    Schmeckt zu oft nicht.

    .. Frikas, die kann man regelmässig wegtun,
    das ist nur noch Füllmasse. Salzig, fettig.

    Und ja, zum Essen hatte ich viele Gäste,
    heute weniger, weil ich nicht mehr so viel koche.

    Gestern habe ich aus Zeitmangel italienisch gegessen.
    Pasta carbonara, glutenfrei, ohne Sahne.
    Es war versalzen, die Pasta zu roh, der Preis:
    .. für Warenwert ca. 3 Euro verlangten die ernsthaft 24 Euro.
    Ich hab es bezahlt, und geh dort nie wieder hin.
    Gesagt habe ich es denen auch.
    Haben die nicht gern gehört…

    • Esther

      Haifisch, es ist fair, ich schätze Dich als freundlich ein, hast es mit Sicherheit nett formuliert. Ich habe einmal etwas stark versalzenes in Spanien gegessen und schämte mich das Essen zurückgehen zu lassen. Stunden später hatte ich ein großes Problem, die Einzelheiten unterschlage ich.

      Mein Mann hat letztens in unserer Lieblingskneipe freundlich Kritik geübt, die angebracht war. Das kam auch nicht gut an. Der Koch war eine zeitlang beleidigt. Er hatte die Zwiebeln auf der Pizza vergessen und zum Schluß roh darauf drapiert. Eine befreundete Italienerin meinte, das hätte sie niemals gegessen.

      Mein Mann macht eine Carbonara, die richtig gut schmeckt, allerdings mit Sahne. Schade, dass Du sie nicht mal probieren kannst. Man müsste wie im Raumschiff Enterprise die Sachen beamen können.

      • Köln ist doch von überall gleich weit entfernt

      • Haifisch

        @ Esther: Ich war sehr freundlich.
        Ich denke, wenn’s der Koch nicht erfährt,
        merkt er auch nicht, dass was nicht stimmt.
        Nun, das sind die aber nicht mehr gewohnt.
        “Ja, ja, alles bestens” – und der “Koch” lügt sich in die Tasche.
        War ja alles gut. Der Kunde will es so. Aha.

        Dabei sind die oft nur zu höflich.
        Wie bei Esther.
        Bei 24 Euro geht das einfach nicht.
        Da ist Schluss mit höflich runterwürgen und nichts sagen.
        Bei 24 Euro erwarte ich Spitzenpasta.

        Den Sahnestreit der Carbonara fange ich jetzt nicht an.
        Das Zeug mit Sahne schmeckt meist echt gut.
        Besonders auf Skihütten,
        wenn man ein ganzes Schwein vertilgen könnte.
        Ist aber eben nicht die “klassische” Carbonara.

        Der Italiener hatte den Anspruch, die “echte” zu servieren.
        War mir recht, schmeckt ja sehr gut, wenn richtig gemacht.

        Also: Das “echte” hatte:
        Falscher Speck, zu viel Salz (ordentlich viel),
        die Penne fast hart.
        Fett war genug dran, vom Speck.
        Und dann noch so ne übersichtliche Portion.
        Kein Salat dabei, NICHTS.
        Trocken und salzig und harte Nudeln.
        Ich musste Tonnen Ketchup drauftun,
        damit es durch die Süsse essbarer wurde.

        Da ist mir dann doch der Kragen geplatzt.
        Wenn die sagen, sie können glutenfrei und “echt”,
        dann müssen die bei dem Preis auch liefern.
        In der Kantine für 5 Euro hätte ich nichts gesagt,
        wäre noch woanders hin.
        Ein Döner auf die schnelle geht immer (Döner ohne Brot).

        Nun. Hätte ich selber gekocht,
        hätte hätte Fahrradkette…
        hätte es geschmeckt…

        • Es wird immer schwerer irgendwo gut zu essen. Da muss schon fast der Chef am Herd stehen und der muss Lust darauf haben und meistens sollte er auch eine Verbindung zu seinem Essen haben, also keine Türken, Inder, Pakistanis die auf Italiener machen.

    • Carbonara ohne Sahne ist ja auch nicht zu bemängeln, eher wenn sie es nicht als alla panna bezeichnen würden. Wo ist denn heute noch ein richtiger Italiener im Restaurant? Da bist Du schon froh, wenn es noch Albaner sind und keine Araber, oder Inder, die auch die Pizza falschherum belegen und behaupten, dass die Deutschen es so wollen.

  • Esther

    Mein Mann hatte einen liebenswerten Kollegen, der aus Italien kam. Er lachte über die „Deutsche Carbonara“ mit Sahne und meinte, in Italien sei sie einfach und recht trocken.

    Er garte die Tomatensoße über Nacht, darum lohnte sich ein riesiger Topf. Er war fleißig und kochte neben seiner Tätigkeit als Werkzeugmacher am Abend in einem Restaurant. Was da alles bereits abgelaufen war und trotzdem verwendet wurde – das macht einfach fassungslos.

    Vor 35 Jahren war es schick, Sahne, Schmelzkäse und gekochten Schinken als Carbonara zu kredenzen. Alle meine weiblichen, gleichaltrigen Bekannten waren für „schnell, schnell“ in der Küche. Für mich ist das heute nicht mehr denkbar.

    Meine Oma war mit Haus und Garten vollzeitbeschäftigt. ( Kartoffeln ernten, Obst einkochen, täglich ein 3-Gänge-Essen, Rasen mähen, Wäsche stärken, die aufgefangene Lauge mehrfach verwenden, ausbessern, nähen, kunststicken, stricken, zu klein gewordene Pullover wurden aufgeriffelt und die Wolle am Stuhlrücken geglättet….) Hausfrau war ein geachteter Beruf, ihre alten Hände sprachen Bände. Und wir Küken dachten, wir hätten das Rad neu erfunden.

    Nachtrag zu Senf, dem obigen Thema:
    Letzte Woche bereitete ich einen Pflaumen-Rum-Senf zu, der derzeit ruht. Falls das klappt, kreiere ich einen Aprikosen-Cointreau-Senf im Anschluß. Heute wird Marmelade eingekocht. Ein Fortschritt – ich bin nun mehr in der Küche als in der Kneipe. 😉

    • peter

      @ Esther
      Mal so unter uns offen gesprochen …..
      In meiner Küche schmeckt mir nicht nur das Essen besser, sondern auch das Bier.
      Das hat aber nix primär mit home-drinking zu tun, sondern mit der Trinktemperatur;
      für mich muss der Saft bratzelkalt sein. Außerdem habe ich hier Hausrecht und kann
      rauchen wann und wie oft ich grad will.
      Da bin ich nämlich voll beim Team ” Häuptling eigener Herd “.
      So hieß mal ne vierteljährliche Zeitschrift, die der einzige von mir geschätzte Fernseh-
      Sternekoch Vincent Klink zusammen mit befreundeten berliner Literaten und noch so
      paar schrägen Vögeln herausgegeben hat.
      Einerseits zum quietschen komisch und andererseits ganz schön nachdenklich machend.
      Geiles Zeugs.

    • Hier wäre gar keine Kneipe, in die ich stattdessen gehen könnte. Du hast voll den Lauf. Congrats .

  • Esther

    Vor ca. drei Wochen bereitete ich einen Pflaumen-Rum-Senf zu und ließ ihn ruhen. Er wurde nicht erwärmt. Heute probierte ich und bin baff. So was von gut. Ich kann nicht fassen, daß dieser Senf von mir gemacht wurde.
    Vordergründig freundlich und elegant, beißt er einen tief hinten in den Hals. So muß es sein.

    Wie bei einer Lady – man meint, ein seidenweiches Geschöpf vor sich zu haben, nach 40 Jahren hat man sie immer noch im Schädel, wo sie ein Lächeln auslöst.

    Speisen ist sinnlich. Kochen auch.

  • Jörg R.

    Sag mal, stimmen die Mengenangaben?

    Ich habe das Rezept gerade ausprobiert: trotz sorgfältig abgemessener Zutaten kam eine Plörre dabei heraus, die sowohl optisch als auch von der Konsistenz her an Dünnpfiff erinnerte.

    Hab sie dann eingekocht und und am Ende hat natürlich der Senf hervorragend geschmeckt, kein Vergleich mit gekauftem.

    Nur hatte ich gehofft, endlich ein Rezept zu finden, wo man auf das Einkochen verzichten kann.

    Kann es sein, dass unterschiedliches Senfmehl unterschiedlich gut funktioniert?

    • Kommt sicher auf das Senfmehl an und es hilft auch den Senf übernachten zu lassen. Das Senfmehl dickt noch an. Ich koche den schon ewig nicht mehr ein und wärme Senf maximal an. Schaue Dir bitte ein paar neuere Rezepte von mir an, in denen es um Senf geht. Die zehn Jahre waren auch einer Evolution unterworfen

      • Jörg R.

        Danke, gut zu wissen. Ich schau mal bei Deinen anderen Rezepten.

        • Aber Du hattest Dich auf ein recht neues Rezept bezogen, ich habe eben noch einmal nachgeschaut. Kommt auch immer ein bisschen auf das Senfmehl an. Notfalls noch einmal nachkippen. Deswegen arbeite ich nie mit dem Rest von irgendwas, ohne schon die nächste Packung in Griffweite zu haben, falls man nachlegen muss.

          • Jörg R.

            Uch habe das Rezept jetzt gerade noch mal gemacht und das Wasser einfach weggelassen. Die Konsistenz ist prima. Ich vermute aber, dass das Senfmehl noch arbeiten wird. Ich beobachte mal, was in den nächsten Tagen passiert und berichte dann.

          • Das ist eine gute idee. Ich habe Deine Wortmeldung zum Anlass genommen mir 6 Kilo Senfmehl in hell und dunkel bei der Ölmühle Garting zu bestellen.

  • Jörg R.

    Hier noch mal das Feedback zum Thema Wasser weglassen: auch noch einer Woche hat der Senf noch eine gute Konsistenz. Ob und wie viel Wasser man zu sitzen sollte hat vermutlich wirklich etwas mit dem verwendeten Senfmehl zu tun.

    Die Seiten der Ölmühle Garting habe ich mir natürlich auch angeschaut. Super Tipp! Gute Preise und alles direkt vom Erzeuger. Da werde ich mein nächstes Senfmehl bestellen.

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