Klöße halb und halb – gebraten und gezogen

Zur Herbstküche gehören auch gemütliche Kartoffelgerichte. Deswegen habe ich aus einem Ansatz gleich zwei Gerichte gekocht. Konventionelle Kartoffelklöße, die aus rohen und gekochten Kartoffeln zubereitet werden und davon abgeleitet noch gebratene Kartoffelklöße. Das ist eigentlich eher mit den Resten am Folgetag vorgesehen, aber ich kenne meine Familie und weiß bei denen schon ganz gut, bei wem ich mit was besser landen kann. Seht selbst, warum das total einfach ist und wieso man sich keinen Fertigteig kaufen muss und warum Leute die Kochbeutelklöße verwenden Ausredenweltmeister*innen sind, die kein Loch in den Schnee pinkeln können.

Zutaten:

1,5 Kilo Kartoffeln vorwiegend festkochtend zum Kochen
1 Kilo Kartoffeln vorwiegend festkochend zum roh reiben
5 Esslöffel Kartoffelmehl / Kartoffelstärke
1 Teelöffel grobes Salz für den Kartoffelteig
2 Eigelb
2 Esslöffel Salz für das Kochwasser
geriebene Mukatnuss

Weiterverarbeitung:

Butterschmalz, oder Rapsöl
Kartoffelklöße
Salz
Pfeffer
Zwiebeln
gehackte Petersilie

Die Kartoffeln koche in fünf Minuten unter Druck in meinem Krups cook 4 me. Schnellkochtopf sind auch 5 Minuten und konventionell werden es 25 Minuten sein, ab dem Zeitpunkt wenn es kocht

Bei Kartoffelklößen die aus rohen und gekochten Kartoffeln bestehen gibt es logischerweise auch einen Anteil an rohen Kartoffeln. Die kommen hier.

Kartoffeln schälen

Kartoffeln fein reiben auf der Standreibe.

Das fand ich so fingerkuppengefährend, dass ich nach einer Kartoffel auf die Maschine umgestiegen bin. Wer kann, der kann

Bosch Mum 4 mit Kartoffelpufferreibaufsatz. Den habe ich noch nie benutzt weil ich Puffer lieber grober mag. Haben ist aber immer besser als zu brauchen

Kartoffeln heizen noch auf

Schriiiiiiiiiing

Geriebene Kartoffeln

Kartoffelmasse in ein Leinentuch kippen, darunter eine Schale stellen

Leinentuch immer enger zusammendrehen und das Wasser aus den Kartoffeln pressen

Das Wasser in der Schale aufbewahren. Das enthält Stärke und man kann es sowohl für die Klöße als auch für eine dazu passende Soße zum Abbinden benutzen

Oben getrocknete Kartoffeln, unten stärkehaltige Flüssigkeit

Kartoffeln zurück in die trockene Schüssel geben

Kartoffeln koche jetzt

Schon vorbei

Meine neue Kartoffelpresse

Kartoffeln abgießen und ausdampfen lassen

Die sollen nur noch so heiß sein, dass man sich nicht mehr die Finger daran verbrennt

Kartoffeln durch die Kartoffelpressen drücken

Das ist sehr einfach und geht schnell

Rohe Kartoffeln mit den gekochten Kartoffeln vermischen

Kartoffelmehl

Damit bekommt man eine schönen Teig, der nicht klebt.

Muskatnuss

Salz

Zwei Eigelb trennen

Eigelb beim Kartoffelteig

Alles miteinander verkneten

Bei sowas hilft Routine ungemein. Irgendwann weiß man das mit den Händen, ob der Teig klebt, oder zerfällt. Da muss man erstmal hinkommen. Ich mache das gute zehn Jahre und dieses Mal war es wie auf Schienen. Man hatte einfach dass Gefühl, dass es genau richtig ist.

Ich habe eine braune Soße gekocht, die ich Euch auch noch zeigen werde. Dafür habe ich die ausgepresste Stärke zum Binden benutzt.

Kochendes Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen und salzen

Das Wasser soll einmal kochen, aber nur noch simmern, wenn die Kartoffelklöße später im Wasser sind

Ich fülle eine Schale mit kaltem, oder lauwarmen Wasser, damit ich mir die Hände anfeuchten kann, beim Klößeformen. Die bekommen dann eine glattere Oberfläche.

Hier der Versuchsaufbau

Mit einem Esslöffel steche ich Kartoffelteig ab und mache mit feuchten Handflächen einen glatten Kloß

Die komplette Teigmenge passt in den Topf

Wasser nur leicht simmern lassen. nach 15 bis 20 Minuten steigen die Klöße von alleine zur Oberfläche auf. Dann sind sie gar

Quasi jetzt

Klöße kommen aus dem Topf und ich stelle sie bei 80 Grad warm in den ofen, weil ich im Hintergrund schon das Abendessen zubereite. Ein paar Klöße stelle ich schon gleich zur Seite, weil ich weiß dass ich sie aufbraten will. Wie gesagt das macht man normal erst am Folgetag mit den Resten, dann sind die Klöße schon ein bisschen fester.

Meine braune Soße

Die binde ich auch noch mit dem stärkehaltigen Kochwasser der Klöße

Jetzt kommen die gebratenen Klöße. Öl in der Pfanne erhitzen

Klöße mundgerecht zerkleinern

Geschnittene Klöße im Öl braten und erst wenden, wenn sie schon Röstaromen bilden, dann fallen sie nicht auseinander, auch wenn sie noch so frisch sind. Herd läuft auf Vollgas

Zwei Zwiebeln häuten

Zwiebeln zerkleinern

Da die Zwiebeln nicht schwarz werden sollen, müsst Ihr ein Gefühl für die Klöße haben.

Wenn die nicht mehr als 10 Minuten in der Pfanne brauchen, könnt Ihr die Zwiebeln dazu geben. Herd läuft immer noch auf Vollgas

Zwiebeln dazukippen

Pfeffer aus der Mühle

Petersilie hacken

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt zum Wenden. Die Pfanne hat den Vorteil, dass sie null haftet und dass man da keine Angst haben muss, dass die Kruste am Boden klebt und man die Klöße immer wieder kaputtreißt.

Einen kleinen Moment braucht das Gericht noch

Soße für die, die kein Fleisch wollen ist auch fertig

Die gekochten Klöße nur mit Butter, oder Öl aus dem Ofen vom Warmhalten holen und ein bisschen Petersilie verstreuen

Jetzt gefällt mir die Farbe der gebratenen Klöße

Noch ein bisschen Petersilie darüber verstreuen

Kloß mit Soß

Wieder mal neues Rotkraut aus dem Cook 4 me (soooo einfach)

Best of both Worlds. Kloß mit Soße und gebraten

Wer es lieber mit Fleisch möchte, bittesehr.

Sehr gesellig für die kalte Jahreszeit und sowas wie ein kleinster gemeinsamer Nenner bei uns am Tisch. Ist ja auch kein Wunder, denn hier gibt es beides. Einen sanften Kartoffelkloß mit einer Soße in der man baden möchte, oder diesen leicht angekrossten Kloß der wie Bratkartoffeln ausgebaut ist und so herrlich rustikal daherkommt. Viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit

24 Kommentare

  • Haifisch

    Ich muss immer so lachen,
    wenn ich Deine Kommentare lese,
    vor allem, wenns um Selbermachen geht.

    Die Knödel sind sicher super, garantiert.
    Ich bin halt nicht norddeutsch,
    deswegen verwende ich für Knödel mehlige Kartoffeln.

    Ich meine, die halten einfach besser zusammen.
    Und ich tu die ganzen Einer in den Teig.

    Ansonsten: ich liebe Knödel.
    Und die Jahreszeit passt auch grade.
    Schnee vorm Fenster und Knödel im Bauch.
    Genau richtig…

  • Haifisch

    aarrrgh, nicht die Einer in den Teig, die EIER.

    🙂

    • Wassn sonst, wenn keine Eier?

      • Haifisch

        Offensichtlich wurden bei Anne ordentlich viele Knödel fabriziert,
        sonst lohnt sich die Wäscheschleuder nicht :-).

        Ist witzig – das haben meine Eltern auch so gemacht.
        Eine hochdrehende, mittelgrosse Wäscheschleuder,
        ein ausgedientes Kopfkissen,
        und fertig war die Kartoffelschleuder.
        Diese alten Schleudern seh ich im Handel nicht mehr.
        Das machen heute Waschmaschinen.
        (Und da tu ich die Kartoffeln lieber nicht rein.. 😉

        Der “Kauf-Fertig-Scheiss” kann nur dann was,
        wenn man sich dran gewöhnt hat.

        Es schmeckt einfach komisch,
        wenn man selbst-gemacht gewöhnt ist.
        Fertigpampe muss Maschinen-gängig und haltbar sein.
        Und – ich schmecke auch die eklige Plastikverpackung von dem Zeug.
        Das ist echt die Höchststrafe.
        Alles schmeckt nach Weichmacher und/oder Plastik.

        Auf die Art kann man mir schimmlige Knödel unterjubeln,
        neben dem Plastikgeschmack merke ich das dann nicht mehr.

        Und ja – die Einer im Teig sind haptisch spannend.
        Da beisst es sich so schön unerwartet drauf rum, 😉

        .. ist besser für die Zähne und oder Brücke,
        die Eier in den Teig zu tun.. 🙂

  • Barbara

    Meine Familie stammt aus Thüringen, rohe Klöße gab es Winter an jedem Sonntag. Dazu wurden Kartoffeln im Keller eingelagert (es mussten alte mit unter den Teig) und es kam eine spezielle Presse zum Einsatz, und auch ein Tuch.
    Aufgebraten gab es die Klöße am Montag, allerdings in Scheiben geschnitten und pur.
    Mutter war aber schon ewig mit der Herstellung beschäftigt. Ich mache das meiste selber und frisch, aber hier greife ich auf Fertigteig zurück.

  • Esther

    Geht es bei der Waschmaschine darum, aus frischen Kartoffeln die Flüssigkeit herauszuschleudern? Wird der Kartoffelsaft aufgefangen?

    Meine Kollegin aus Russland nahm ein großes Tuch, knotete die Enden zusammen, schob einen Stock hindurch und drehte das Tuch in einem großen Kessel. Ähnliches sah ich es in einem Film über eine Käserei in den Schweizer Alpen und einer Almwirtschaft auf der Türkischen Hochebene.

    • Haifisch

      .. genau darum geht es, Esther.
      Die alte Wäscheschleuder mit ca. 2000u/min
      schleudert den Kartoffelsaft aus den geriebenen Kartoffeln.
      Geht sehr schnell, und genau das war (bei uns) das Ziel.
      Kartoffeln durch die Maschine gerieben (Werbejingle Kenwood),
      dann ins Kopfkissen (Werbejingle Aussteuer),
      und dann in die alte Miele-Wäscheschleuder.
      Den Saft haben wir nie aufgefangen,
      das war dann doch zuviel (Thema: alte Schleuder).

      Vor der Idee “Schleuder”
      wurde eifrig mit der Hand im Tuch gepresst,
      eine elendige Plackerei.
      Alle lieben Knödel.
      Also wurde die Schleuder “erfunden” 🙂

      Heute gibts bei mir Knödel.
      aber die gekochten Kartoffelknödel, ohne Schleuderbedarf 🙂

    • Ich drücke auch die Flüssigkeit in einem Handtuch aus

  • peter

    Hat schon mal jemand über ne gescheite Salatschleuder nachgedacht?
    Ich hab so eine, die rappelt rum wie meine Wama im Schleudergang. Da braucht man
    echt Kraft, dass die nicht davonrennt. Das werde ich mal testen, denn das Problem
    mit den Saft hat man recht oft und – ja , es nervt manchmal ganz schön dolle.
    Ich probiere das mal bei Gelegenheit aus.

    • Was spricht gegen das klassische Leinentuch?

      • Haifisch

        @Jörg: nix.. spricht gegen das Tuch…
        Es ist halt nur viel Arbeit,
        wenn man viele Kartoffeln reiben will,
        und dann auspressen muss.

        … als technikverliebter Haifisch
        fällt mir eher ein umgenutztes Gerät ein,
        als ein Tuch von Omas Aussteuer..

        … rein klimapolitisch ist das hinterher
        handausgewaschne Tuch nachhaltiger…

        • Mein Leinen ist schon von meiner Uroma. Muss so um 1903 gewesen sein

          • Haifisch

            @Jörg:
            witzig, die Aussteuer meiner Oma ist die meiner Uroma,
            einfach weitergegeben, nie gebraucht.
            Also – das Zeug ist auch so von 1900.
            Richtiges Leinen, in diesem komischen Webmuster.
            War damals wohl der letzte Schrei..

          • Ja, war bei meiner Mutter aus so. Die hatte es von ihrrer Mutter und die von ihrer Mutter. Konnte man immer an den eingestickten Monogrammen an den Handtüchern sehen.

  • Haifisch

    Peter: probiers aus, vielleicht geht es mit Salatschleuder.
    Ich fürchte nur, der Kartoffelrieb
    ist zu schwer und zu viel für eine Salatschleuder.

    Da wäre alternativ ein Entsafter möglich.
    Also nicht die Kochtopf-artigen, heissen,
    ich denke an die kalten, elektrischen.

    Normalerweise steckt man Möhren, Äpfel usw.
    oben in den Schacht des Entsafters,
    dann läuft das über eine Reibe, wird geschreddert,
    dann in eine Art Mini-Schleuder, der Saft läuft weg.
    Der Saft ist dann eigentlich das Ziel,
    aber es hindert einen ja niemand, den Saft
    wieder zum geschredderten Trester hinzuzufügen,
    bis die Konsistenz für Knödel stimmt…

    Diese Variante ist vermutlich
    für den typischen 2P-Haushalt geeigneter
    als die Variante “Omas Wäscheschleuder”.
    Wäscheschleuder seh ich bei 8P aufwärts…

  • Esther

    @ Haifisch
    Etwas offtopic, ich habe lange mit Kartoffelmehl die Sommerbettwäsche gestärkt und gebügelt. Sie war so angenehm glatt und kühl danach. Gekaufte Stärke ist parfümiert, was ich genauso wenig mag wie Weichspüler. Nun lasse ich das Stärken, mache es mir etwas einfacher.

    Zu Reinleinen: ich konnte kürzlich Küchenhandtücher aus reinem Leinen günstig erwerben. Sie sind sonst gemein teuer. Es war ein sogenannter Lagerhausfund, eine ungenutzte Aussteuer, ca. 70 Jahr alt. Eine wirkliche Kostbarkeit. Sie fusseln nicht und haben eine hohe Saugkraft. Die Fasern werden durch den Gebrauch immer besser.

    Leinen wurde oft weitervererbt, weil es sich kaum abnutzte. Ich schlief bei meiner Großtante in Leinenbettwäsche und habe das genossen.

    Leinen / Flachs ist eine tolle Sache, aber kaum ein Haushalt hat heute eine Mangel. Vor Jahren konnte man mangeln lassen, Hausfrauen verdienten sich damit etwas dazu. Darum verstehe ich gut, dass Leinen nicht mehr oft verwendet wird. Das Bügeln ist ein Kraftakt. Trotzdem, ich freue mich jeden Tag über diese Küchentücher. Sie sind rot / weiß, die Kölner Farben, bzw. die der Hanse, Köln war einmal eine Hansestadt.

    • Ja, handgewebtes Leinen ist wirklich konkurrenzlos. Da können sie an Kunstfasern erfinden was sie wollen

    • Haifisch

      @Esther: ich musste grade lächeln.
      Das kenne ich auch noch.
      Im Sommer war das toll, im Winter..
      also, ich ziehe Biber vor… 🙂

      Und diese uralten Aussteuern sind nicht umzubringen,
      was ziemlich genau zeigt, wie nachhaltig / haltbar das Zeug ist.
      Übrigens: kaufen kann man das nicht mehr.
      Wird nur noch für Museen hergestellt.
      Die anderen dürfen billiges Plastik oder schlechte Baumwolle kaufen.

      Und diese unkaputtbare Zeug gibt einen jähen Einblick
      in die Welt von früher.
      Auf diese Weise entstand sehr wenig Müll.
      Und zerschlissenes Leinen wurde zu Papier.

      Soo, mal schauen, was der Fleischwolf macht..
      Das Fleisch taut an, sobald ich es schneiden kann,
      also halbgefroren, landet es im Feischwolf 🙂

      Und der nächste Sauerteigversuch ist jetzt 24h alt,
      will gefüttert werden…

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