Aligot – perverses französisches Püree mit Fett, Fett, Fett und Kartoffeln

Am letzten Wochenende hat mich meine liebe Langzeitleserin Patricia in einem Beitrag über Aligot markiert, mit der Bitte das doch mal zu kochen. Das ist ein französisches Hirtengericht und besteht aus Kartoffelbrei, der mit Unmengen Fett in Form von Butter, Käse, Milch und in schweren Fälle auch noch mit Creme fraiche cremig gemacht wird. Ich kann netten jungen Damen immer nur schlecht einen Wunsch abschlagen, also bin ich am verkaufsoffenen Sonntag extra noch im Kaufland Biesdorf gewesen und habe Raclettekäse gekauft. Es gibt auch nicht DAS Rezept für Aligot. Das variiert nach Region und es kann ein Raclettekäse, oder ein Munster, oder irgendwas unaussprechliches mit guten Schmelzeigenschaften sein. Wichtig ist am Ende, dass das Püree gut fließt und einen schönen Käsegeschmack hat.

Zutaten:
1 Kilo Kartoffeln
125 Gramm Butter
200 Milliliter Milch
4 Knoblauchzehen
400 bis 800 Gramm Raclettkekäse nach Geschmack
Salz
Pfeffer
Muskatnuss

Ich musste mich in das Thema einlesen, weil ich kein große Freund von Kartoffelpüree bin und das immer nur als Konzession für meine Frau zubereite. Ein besonderer Käseliebhaber bin ich auch nicht und bevorzuge Sorten, die für Käsekenner eher langweilig sind, wie Gouda, oder Butterkäse und eher salzig und nicht so seifig muffig schmecken. Das waren für mich also gleich zwei Hürden, die es zu nehmen galt. Man kann die Kartoffeln vorher schälen und dann weich kochen. Ich habe mich für Pellkartoffeln entschieden, weil ich die schon einen Abend vorher gekocht habe, weil ich so am Tag des Servierens locker eine dreiviertel Stunde Zeit gespart habe, sonst hätten die Kinder nicht mehr mitessen können.
Kartoffeln 25 bis 30 Minuten mit Deckel kochen lassen.
Dann löst sich die Schale fast von alleine und die Kartoffeln sind weich. Wie gesagt geschälte und à la minute gekochte Kartoffeln sind auch o.k, passten aber nicht in mein Zeitmanagement.
Schüssel bereitstellen.
Die Kartoffeln durch eine Kartoffelpresse drücken, oder im zweitbesten Fall mit einem Kartoffelstampfer zerkleinern.
Hier ist die Kartoffelmasse
Hier verknetet, um einen Eindruck zu bekommen, wie groß das Volumen ist. Ich habe Rezepte gesehen, die sagen, dass man Kartoffeln und Käse im Verhältnis eins zu eins nehmen soll. Ich war mir aber nicht sicher, ob mir das nicht zu käsig wäre, deswegen habe ich nur 400 Gramm Käse verwendet. Mehr Käse wäre auch jeden Fall noch cremiger.
Vier Knoblauchzehen häuten
Knoblauchzehen in der Pfanne mit Öl anrösten
Die sollen einen gesunde braune Farbe bekommen
Danach den Knoblauch zerkleinern.
Ich verwende dafür meine Gewürzmühle, die zum Esge Zauberstab gehört.  Ihr könnt den Knoblauch aber auch hacken, oder quetschen.
Schon erledigt. Den Knoblauch erstmal zur Seite stellen.
Milch abmessen.
Ich hätte gerne Raclette am Block gehabt, aber die Käsetheke war am Sonntag nicht geöffnet.  Deswegen wurde es die Packung. Ich hatte zwei davon, aber habe wie gesagt nur eine verwendet.
125 Gramm Butter
Kartoffelmasse in einen Topf geben und langsam erhitzen. Immer in Bewegung halten, damit nichts anbrennt.
Milch dazu geben, dann wird es flüssiger
Ordentlich verrühren, damit sich eine homogene Masse bildet. In dem Maße, die das Püree Temperatur bekommt, verbindet sich das auch gut miteinander.
Butter in kleine Stücke schneiden.
Die Butterstücke ebenfalls in den Topf geben.
Butter unterrühren und schmelzen lassen.
Knoblauch untermischen
Den Raclettekäse in kleine Stücke und Würfel schneiden und
Den Käse einrühren
Der Käse schmilzt, wenn das Aligot richtig heiß ist.
Immer weiter rühren, rühren und rühren.
Ein wenig Muskatnuss dazu geben und ruhig abschmecken, was Euch noch fehlt. Ich brauchte dringend Salz und Pfeffer.
Je länger man rührt und je mehr der Käse schmilzt, desto cremiger wird das Aligot.
Prinzessin Schnekerliese war gleich raus, als sie das mit dem Käse gesehen hat. Margarete hat wild geschrien, dass sie das auf gar keinen Fall mögen würde. Prinz Protz freute sich über den Käse, Lisbeth war es egal und meine Frau war eher skeptisch.
Hier man schon gut erkennen, dass es cremig ist.
Das Aligot fließt auch schon so leidlich vom Kochlöffel. Wenn man jetzt noch Creme fraiche, oder mehr Käse nehmen würde, dann wäre es noch cremiger.
Fertig!
Das riecht sehr intensiv nach Käse und Knoblauch und schmeckt sehr rund.
Hier auf dem Teller. Was soll ich Euch sagen, das ist ja weder noch meine Welt? Das Aligot schmeckt mit jedem Bissen noch besser, wenn man erstmal dabei ist. Das schmeckt auch immer besser, wenn es nicht mehr ganz heiß ist, sondern eher in Richtung lauwarm geht. Ich mag Kartoffeln lieber wenn sie knusprig sind, aber wenn man darauf steht, ist es wirklich toll. Meine Frau war begeistert und ich habe das am zweiten Tag noch mal für sie aufgewärmt und auch die Kinder außer Prinzessin Schnekerliese haben davon gefressen wie die Raupen. Ich fand es überraschend gut.
In Kombination mit einem in Rotwein geschmorten falschen Filet vom Rind (Rezept kommt), war es  eines der besten Gerichte seit langem. Das essen manche Leute nicht an Weihnachten, was wir uns da mal eben in der Woche gegönnt haben. Dabei ist das echt nicht schwierig, dauert durch das Fleisch, da im Prinzip auch nur so nebenbei schmort eben ein paar Stunden.

Ich habe schon gleich die Ansage kassiert, das bald wieder machen zu müssen. Deswegen kann ich das allen, die gerne Kartoffelpüree und/oder Käse mögen wärmstens ans Herz legen. Insbesondere auch denen die keinen Käse und kein Püree mögen, hat bei mir auch geholfen.

Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.

12 Kommentare

  • Nadja

    Noch nie von gehört (muss ich mal googeln). Aber nee, bei 400-800 g Käse auf 1 kg Kartoffeln war ich raus. Bei der Zeile gabs hier ein spontantes ‘Auch du Sch…’. (aber ich bin bei Kartoffelbrei auch eher der spartanische Purist… nur mit Gemüsebrühe kloppen .. daher bin ich da wohl nicht so die Zielgruppe 🙂

  • Jessica

    Auch noch nie gehört, aber das muss ich unbedingt mal machen, Käse und Kartoffeln sind eigentlich immer gut zusammen (finde ich!). Danke für die Anregung! Mich schreckt eher die ganze Butter ab, aber das geht bestimmt auch mit weniger oder mit Creme fraiche als Ergänzung. Aber bei uns wird’s wahrscheinlich keiner essen außer mir- ein Kind mag keinen Käse, das andere keine Kartoffeln. Na toll…

    • damit bekommst du sie beide ;-). war hier auch so. erst waren alle nervös wo ich den käse reinwerfe. die ersten schrien mich an, dass ich keinen käse ans rind geben soll, die anderen brüllte, nicht an die kartoffeln. am ende war käse sooooo lecker, dass er jetzt auch auf brot gegessen werden kann, ohne dass man sich vergiftet

  • Ingeborg Kosmala

    Das hört sich für mich saulegger an. Ich liebe Kartoffelpürree und ebenfalls geschmackigen Käse, Werde es auf jeden Fall ausprobieren. Habe vorher auch noch nie etwas davon gehört.

  • Sascha Wüstemann

    Kartoffelrösti mit Käse schmecken mir – und wie 🙂 – schätze, diese Pampe wäre auch was für mich. Werde ich mal dran denken, wenn ich mal wieder Kartoffelplörre mache ;D

    Gruß und Kuß
    aus Braunschweig
    Sascha

    • haha, ich musste mich echt ein bisschen zwingen, aber meine frau findet das ganz toll. ich habe gleich nach der veröffentlichung des rezeptes noch einen hinweis auf eine italienische version bekommen. die werde ich auch noch machen.

  • Patricia Weber

    Ein Rezept, dass mir gewidmet ist. Welche Ehre, mein lieber Jörg 😃 Ich komme grundsätzlich an keinem Gericht vorbei, an dem geschmolzener Käse beteiligt ist. Und auch mit Kartoffeln lassen sich viele Leckerchen anstellen. Irre, wie unterschiedlich der Eigengeschmack von Kartoffeln ist, abhängig davon, ob sie in neuseeländischer, canarischer oder Lüneburger Erde gewachsen sind. Früher oder später MUSS ich mich also selbst mal an Aligot wagen. Bezüglich Käse bin ich ganz bei Dir: ich bevorzuge ebenfalls junge Käse mit milden buttrigen Geschmack. Allerdings kann ich mich auch für Ziegenkäse begeistern. Insbesondere von den Kanaren, vorzugsweise Lanzarote kenne ich mittelreife Käse mit eher strengeren Noten, die zusammen mit dem nussig strengen iberischen Schinken auf Baguette oder mit Baguette und rotem Mojo der absolute Knaller sind! Für mich persönlich aber auch wirklich nur in den Kombis ❤

    • deine schwester hat schon gleich geningelt, dass das nicht genug käse wäre und zu wenig fäden ziegt. die käsemenge kann man locker verdoppeln, aber dann driftet es für mich schon in völlerei ab. mag ich nicht. na dann herzlich willkommen zu DEINEM rezept 😉

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