Schnitzel aus dem Pappbecher, mit vollgewichsten Mayosalaten
Ich schreibe nun schon ein paar Rezepte lang über ein ziemlich verkommenes Phänomen, das ich überall in Deutschland sehe. Dieses hier kommt wie so häufig aus Berlin. Berkant und Tolga machen eine Schnitzelbude auf und begeben sich auf dünnes Eis, weil sie zwar deutsche Küche im Pappeimer für 14 Euro servieren, aber sich selbst dabei im Weg stehen, denn sie haben keinen Bezug zur deutschen Küche und dann ist der Anspruch noch, dass es halal sein soll. Damit fällt Schwein beim Schnitzel schon mal raus. Aus dem ganzen Bums wird ein Franchise gemacht und andere Tolgas und Berkants übernehmen das Prinzip und schon hat man diese kulinarische Offenbarung, in den üblichen deutschen Großstädten mit hohem Migranten- und Touristenanteil. Alles ist genormt und man muss kein gelernter Koch sein, um panierte Tiefkühlschnitzel vom Huhn in der Fritteuse zu versenken, oder mit Industriemayonnaise verunstaltete Krautsalate, mit Convenience Mac’n cheese (????) in Pappbechern zu vermählen und solche Witzpreise dafür zu nehmen. Ich bin mir nicht sicher was da alles aufeinandertreffen muss, um das als Kunde zu mögen. Selbst keine Ahnung vom Kochen haben, kein Wissen über Form von Gerichten und keine Tischmanieren haben, aus einem Haushalt mit vier Generationen Nichtköchinnen kommen, sein Geld nicht mit ernster Arbeit verdienen, weil es sonst wehtun würde dafür zu zahlen. Erst recht würde man bei dem Gedanken wahnsinnig werden, dass man das gleiche Gericht, zu dem Preis frisch zubereiten könnte, inkl. der stimmigen Beilagen. Nicht zuhause, sondern als Gast in der Gastro. Falls es bis 2035 gelungen sein sollte, die Landesküche weitestgehend verdrängt zu haben, könnt Ihr hier noch einmal inkl. der Salate nachlesen wie es mal gewesen ist, falls es dann jemand wiederbeleben möchte.

Zutaten:
1,6 Kilo Oberschale vom Duke of Berkshire Schwein
1 tiefer Teller Mehl
6 Eier
1 Teelöffel Salz
Pfeffer / Chiliflocken
458340985340958 Tonnen Paniermehl
1 Liter Rapsöl / Butterschmalz
3 Zitronen
Beilagen:
Röstkartoffeln (anklicken)
Kartoffelsalat (anklicken)
Tomatensalat (anklicken)
Weißkrautsalat (anklicken)
Rotkrautsalat (anklicken)
Chinakohlsalat (anklicken)
Setzeier
6 Eier
Rapsöl
2 Prisen Salz
Pfeffer
1 Teelöffel gehackte Petersilie

Fleisch gegen die Faser aufschneiden

Fleisch mit dem Fleischklopfer beidseitig plattieren

Das geht schnell

Nun wird die Panierstraße vorbereitet

Mehl, Eier, Paniermehl

Ei salzen

Pfeffer oder Chiliflocken

Ei mit der Gabel verquirlen

Schon geht es los.

Fleisch von beiden Seiten ins Mehl drücken

Anschließend durch das Ei ziehen

Paniermehl

Die Schnitzel sind jetzt fertig zum Ausbacken

Die könnte man schon fertig haben, aber ich habe sie jetzt schnell à la Minute zubereitet. Meine Soße nach Art eines fahrenden Balkanvolkes.

Rezepte einfach anklicken

Dazu gibt es einen Weißkrautsalat, wie er schon immer gewesen ist.


Chinakohlsalat – süßer als der Nachtisch

Einen richtig leckeren Tomatensalat, für das italienisch ausgebaute Schnitzel

Jetzt schon für später vorbereiten. Petersilie hacken

Die Balkansoße wird immer besser, je länger sie auf dem Herd steht

Mac’n Cheese ist so eine neumodische Deppenbeilage. Die hat noch nie jemand in sinnvoll gemacht. Was dieses Geschmadder in einem seriösen Gericht zu suchen hat, wissen nur irgenswelche fehlernährten Leute mit einem BMI über fünfundreissig. Stattdessen gibt es bei unseren Schnitzeln Röstkartoffeln und einen rezeptpflichtigen Kartoffelsalat

Wenn man die Kochzeit der Kartoffeln nicht berücksichtigt, dann kann man die ganzen Salate gemütlich in dreissig Minuten zubereiten

Die Röstkartoffeln sind meine rückwärts laufende Uhr. Wenn die fertig sind, soll alles andere auch fertig sein. Wir haben als Notausfahrt aber immer noch eine Warmhaltefunktion wie die 80 Grad im Backofen, bei der wir die Schnitzel warmhalten, während die nächste Rutsche in der Pfanne ausbackt.

Kartoffeln sind in der Pfanne

Balkansoße ist fertig

Butterschmalz und Rapsöl daumenhoch

Wenn das Fett sprudelt kommt das Fleisch in die Pfanne. Bei der Dicke reichen drei Minuten pro Seite. Beim Erhitzen des Fettes läuft der Herd auf Vollgas. Wenn das Fleisch in der Pfanne ist, müsst Ihr sehen dass das Fleisch innerhalb der drei Minuten pro Seite nicht zu dunkel wird.

Kartoffeln wenden

Fleisch wenden und auf 80 % Leistung reduzieren- Die Rückseite ebenfalls drei Minuten ausbacken. Danach bei 80 Grad in den Backofen legen. Den Vorgang widerholen bis alle Schnitzel ausgebacken sind.

Zitrone aufschneiden, damit man später Zitronensaft auf die Schnitzel geben kann.

Kartoffeln sind gar, gewürzt und petersielt

À la Meyer gibt es noch ein paar Setzeier dazu

Nun kann es an den Tisch gehen

Nur mal so für die Tolgas und Berkants dieser Welt. Bei einem frisch panierten und ausgebackenen Schnitzel ist es innen zart und außen knusprig. Bei Eurem Kumpel Omar, der aus der Sonnenallee, löst sich beim Chickenpattie, die Panierung und ist total lappig, aber weil das Fleisch vorher schon gegart wurde, bevor es in den Frost kam, ist es härter als die Panierung, die dafür außen lappig und gelöst dranhängt. Die Basis ist schon scheiße und weil der Kochschimpanse vor der Fritteuse das gar nicht zu Fuß herstellen könnte, weiß er auch nicht wie er es als Fertigprodukt erhitzen muss. So ist es, wenn einem die kulinarischen Vorbilder fehlen.

Dem Österreicher stockt der Atem. Soße auf die krosse Panierung

Ein Genuss mit Röstkartoffeln

Ach komm, einer geht noch. Spiegelei und das Salatpotpourri, für den der alles will.

Hier fühle ich mich zuhause und alle haben recht.

Verpassen sie nicht die Folge in der ich in Neukölln eine Dönerbude mit Yaprak Döner vom Schweinenacken eröffne. Viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.
Ja, ist leider eine bedauerliche Entwicklung, aber nicht verwunderlich. Wenn man die ganze Welt zu sich einlädt, dann braucht man sich nicht wundern, wenn sich Gebräuche und Sitten ändern.
Zu Deinem Schnitzel nebst Beilagen: saubere Arbeit!
Wann eröffnest Du Dein deutsches Gasthaus? 😉
Frohe Weihnachten!
Hätte ich dieses Jahr fast gemacht, scheiterte aber am Mietvertrag, der ein paar schwindelige Passagen enthielt. Ich würde das nicht an Deutschland festmachen wollen. Es geht nur darum authentisch zu kochen und eben auch wirklich zu kochen und nicht nur irgendwas anzuwärmen. Wenn einer von sonstwo kommt und die Grundkochtechniken beherrscht und anwendet, ist mir das genau so recht.
Stimmt, meine Aussage war zu pauschal. Präzisieren wir etwas: Es gibt überall auf der Welt Taugenichtse, und davon sind auch einige hier gestrandet. Weiterhin gehört das Gastgewerbe zu den Branchen, in denen man ohne irgendwelche Kenntnisse gewerblich tätig werden und drauflos pfuschen darf. Das Ergebnis sieht man jetzt hier.
Den authentischen Italiener, Griechen o.ä. meinte ich natürlich nicht.
Ich will das auch nicht als Kritik verstanden wissen, dass hier überhaupt Leute aus aller Welt rumlaufen. Mir geht es rein um die Verlotterung der Küche und wie die Kulinarik mit Füssen getreten wird. Wer mich kennt, weiß das aber auch.
„Tue, was sich in deinem Herzen richtig anfühlt, kritisiert wirst du so oder so.“
– Eleanor Roosevelt –
Lieber Jörg,
ich wünsche Dir und Deiner Familie einen harmonischen Heiligen Abend. Dein Blog hat bei mir viel Gutes bewirkt und auch meinen Mann ein Stück glücklicher gemacht.
Bleib gesund und geschmeidig
Esther
Das wünsche ich Euch auch. Freue mich auf 2026 mit allen hier.
Frohe Weihnachten auch vom Haifisch
Weil Weihnachten ist, ein spontanes Gedicht:
Ein Haifisch schwamm aus Wien herbei,
biß ein Schnitzel komplett entzwei,
ob fettig, gefroren oder in falscher Panade,
in seinem Mau findet sich kaum Gnade.
Der Blog eint stille Leser, auch die Schreiber,
für ein ehrliches Handwerk steht der Betreiber.
Frieden wünsch’ ich dem Erdenrund
und feine Speis’ in jedem Menschenmund.
So Kinders, ich muß an den Herd…….
Ich habe heute auch richtig am Herd gestanden. Ging gestern Abend schon los und heute voll durchgezogen bis zum Abend
@Esther,
das war ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, Danke.
Ich hab selten so lachen müssen wie bei Deinem Gedicht.
Ein Haifisch, der sich am gefrorenen Schnitzel
die Zähne ausbeisst. Herrlich.
Ich wünsche auch Dir frohe Weihnachten.
ein Haifisch mit Weihnachtskugeln,
die im Gebiss aufgehängt wurden, ohne LED 😉
und wie so ein Wal-Bart vor dem Maul hängen 🙂
Das wünsche ich Dir auch
Ich glaube, ich schrieb es schonmal. Hier wurde ein bayerisches Gasthaus nach der Renovierung mit neuem Besitzer (Pacht! Erhöhung!) wiedereröffnet. Da wird aber nicht mehr gekocht, die Gerichte werden fertig angeliefert und in entsprechenden Automaten erwärmt. Da ist dann vielleicht das Fleisch warm, aber der Knödel innen noch kalt.
Jörg, ich wünsche dir und deiner Familie Frohe Weihnachten, genießt die Zeit und startet richtig gut ins neue Jahr.
Ich war morgens noch im Handelshof. Das ist immer sehr interessant mit den Mitarbeitern zu reden, wer die meisten Convenienceprodukte rausträgt, oder geliefert bekommt.