Seidenklöße aus mehliger Lilly – pur und überbacken

Alle Österreicher haben mir immer gesagt, dass man für Kartoffelklöße mehlige Kartoffeln nehmen soll. Hatte ich nie vorrätig und so richtig Bock hatte ich darauf auch nicht, weil alles was mehlig ist, schon in Gedanken irgendwie falsch schmeckt und ein komisches Mundgefühl macht. Nachdem ich mich dieses Jahr intensiver mit Kartoffelsorten beschäftigt habe, war es kein weiter Weg mehr, mich auch noch mit dem Thema mehligkochend zu versöhnen. Wenn die Kartoffeln gekocht und zerkleinert sind, empfindet man diesen Umstand nicht mehr als störend und man bekommt als Bonus die verbesserte Haftung beim Verarbeiten zu Kartoffelklößen hinzu. Wenn Ihr keine mehligen Kartoffeln habt, dann ist es kein Problem, dann nimmt man die eben, aber wenn man einkaufen geht und weiß dass es Klöße geben soll, dann nimmt man mehlige Kartoffeln mit. Bei mir liegt der Fall noch wieder ganz anders. Ich gehe einkaufen und finde preisreduzierte mehlige Kartoffeln und er dann entscheide ich, dass es ein Kloßgericht gibt, wenn nicht gerade ein Feiertag ist, an dem meine Familie sowas von mir erwartet. Hier gibt es Seidenklöße aus der mehligkochenden Sorte Lilly.

Zutaten:

2,5 Kilo Lilly mehligkochende Kartoffeln
3 Prisen Muskat
1 Teelöffel Salz für den Teig
Fladenbrot, oder Toast
50 Gramm Butter, oder Rapsöl
200 Gramm Mehl
150 Kartoffelmehl (Stärke)
3 Eigelb

2 Esslöffel Salz für das Kochwasser der Klöße

Klöße italienisch:

12 Klöße in eine Ofenform geben
3 Kellen Tomtensoße
80 Gramm Butter
200 Gramm Mozzarella
2 Esslöffel Paniermehl
3 Esslöffel gehackte Petersilie


Ich koche die Kartoffeln in 6 Minuten im Cook 4 me, Ihr könnt sie aber auch in 22 Minuten konventionell im Kochtopf kochen. Man unterscheidet bei Kartoffelklöße danach ob die ganzen Kartoffeln so wie hier gekocht wurden, oder nach halb und halb Klößen, bei denen eine Hälfte kocht und die andere roh gerieben und ausgepresst wird. Ich mag beides und alles hat seine Daseinsberechtigung. Essen lebt auch davon, dass man es nicht immer gleich kocht, sondern mal Abwechslung in dieser Form macht.

Wasser in den Topf gießen

6 Minuten einstellen

Topf aufheizen

Hier läuft die Uhr schon wieder rückwärts

Für die Füllung der Seidenklöße verwende ich mein eigenes Fladenbrot, dass hier schon ein bisschen altbacken ist. So wirft man nichts weg und das ist gut so.

Kartoffeln heizen immer noch auf

Hier sind die Pellkartoffeln schon gekocht

Wasser abkippen und ausdampfen lassen

Brot in Würfel schneiden

Butter in der Pfanne erhitzen, oder Öl

Pellkartoffeln durch die Presse jagen. Die Schale bleibt in der Presse und man muss die da immer rausholen

Brotwürfel in einem angenehmen Braunton anrösten

Mehl und Kartoffelmehl zu den gepressten Kartoffeln geben

Muskatnuss

Salz

Nachmehlen, falls einem der Teig noch zu feucht an den Fingern klebt. Das ist bei jeder Kartoffel anders, auch wenn man die gleiche Sorte nimmt. Dafür muss man ein Gefühl bekommen. Kartoffelmehl bindet deutlich besser als Weizenmehl.

Eigelb dazugeben

Alles vermischen

Schöner griffiger Teig

Mit dem Esslöffel steche ich den Teig für die Kartoffelklöße aus

Drei geröstete Brotwürfel hineinlegen

Klöße formen

Kochwasser in einem großen Topf aufsetzen

Kochwasser salzen und aufkochen lassen

Parallel bereite ich noch eine Tomatensoße zu, weil meine Familie zwar auch mal einen Braten isst, aber noch lieber darauf verzichtet. Italienische Küche mögen sie aber alle. Deswegen zeige ich Euch als side quest noch eine Zubereitungsvariante, die vegetarisch und hier sehr beliebt ist.

Das Kloßwasser hat einmal gekocht, dann reguliere ich es runter, damit es nicht mehr kocht und die Klöße nicht beim Sieden zerrupft.

Klöße der Reihe nach hineingleiten lassen

Alle Klöße sind geformt und kommen ins Wasser

15 bis 20 Minuten so ruhig im Wasser sieden lassen

Meine Tomatensoße sieht immer besser eingekocht aus.

Nach 15 bis 20 Minuten sind die Klöße fertig zum Essen, wenn Ihr dazu noch braune Butter macht und Paniermehl darin anröstet. Dann ist das eine klassische Beilage zu Braten.

Ich zweige ein paar ab für mein Ofenrezept

Klöße in die Ofenform legen

Butter

Tomatensoße am Start haben

Mozzarella reiben

Tomatensoße über die Klöße geben

Mit Mozzarella bedecken

Mit Paniermehl bestreuen

Ab in den Ofen bei 200 Grad für 20 Minuten

Mit der Tomatensoße habe ich auch noch eine Parmigiana gemacht. Das kann man gut mit den Klößen zusammen essen.

Für das Kind das nie irgendwas mag, gibt es die Klöße ohne Mozzarella. Die sind aber trotzdem verdächtig, weil auf den anderen Klößen in der anderen Form ja Käse ist.

Jetzt noch Petersilie drüberstreuen und es kann gegessen werden

Ab an den Tisch

Das ist sehr winterlich und sehr lecker und gesellig. Ich hätte selbst nicht erwartet wie gut das bei meiner Familie ankommen würde. Es ist aber verständlich, weil alles super frisch ist und mit Liebe gemacht und ganz viel Geschmack auf engen Raum zusammenkommt. Kann man machen, auch wenn man dazu noch ein schönes Steak servieren würde, oder Schnitzel, oder gebratene Würste.

Super günstige Zutaten und ein bisschen Gefummel, aber ein absolutes Leibgericht. Sehr zu empfehlen

Viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.

12 Kommentare

  • Kathi

    Hach, das sieht so lecker aus. Aufgewachsen in einer knödelfreien Region habe ich als Kind Klöße jeglicher Art gehasst. Das hat sich nun grundlegend geändert, da kommt mir eine überbackene Variante gerade recht.

    • Meine Familie hat mir gestern Abend die Klöße so aus der Hand gerissen. Turns out, dass ich heute gleich wieder neue machen muss. Könnte schlimmer sein. Ich kenne es aus meiner Kindheit auch nicht. Im Norden auf dem Land recht unbekannt. Mein Vater war aber Ostflüchtling und die Oma kannte das aus Westpreußen. Ich habe die aber erst selbst gemacht, als ich schon meinen Blog hatte.

  • Esther

    Vielen Dank Jörg, dass Du selbst an arbeitsintensiven Feiertagen in die Tasten haust und Rezepte einsetzt.
    Besonders die Italienische Variante habe ich im Blick und wird bald umgesetzt.

  • Esther

    Ich habe die Lilly gesehen,
    sie sollte an der Laterne steh’n.
    Doch sie tat sich an Klößen gütlich,
    zu Sitzen ist ja auch gemütlich.

    Nun steht ihr Kerl allein im Licht
    keine Lilly erhellt sein Gesicht,
    traurig kehrt er in ein Gasthaus ein,
    hier haut sich Lilly die Knödel rein.

    ( Ich weiß, wie Lili Marleen geschrieben wird ) 😉

  • Sehr gut – nur Kartoffelklöße haben die Österreicher eigentlich den Tschechen gestohlen. Ich will aber nicht an den Östereichern herumnörgeln sondern konstruktiv einen Tipp geben: Weniger Mehl, dafür ein Brandteig aus Gries unter die Kartoffeln mischen. Wenn man dann den Teig über Nacht stehen lässt, werden die Klöße flaumig (wie meine österreichische Ehefrau sagen würde), also auf Hochdeutsch “lockerer”.
    Und noch besser werden sie, wenn eine festkochende Kartoffel auf einer Raffel möglichst fein in Streifen reibt, so wie Haare und diese untermischt. In Böhmen sagt man dazu die “Haarigen” odere “Skubanky” – seehhrr lecker!

    • Das klingt ganz toll mit dem Brandteig, beißt sich nur leider mit meiner eher spontanen Kocherei. Wenn man das vorher weiß, sollte ich das auf jeden Fall ausprobieren. Klingt nach unendlicher Expertise.

  • Ellen

    Hallo Toettchen,
    kannst Du das mit dem “Weniger Mehl, dafür ein Brandteig aus Gries unter die Kartoffeln mischen.” noch mal genauer erklären bitte. Brandteig kenne ich nur von Windbeuteln und richtig gute Knödel kenne ich nicht.
    Danke und liebe Grüße
    Ellen

  • Knödel oder Klöße?
    Das hat mich Mal eine Portugiesische Kochschülerin,
    vorsichtig im gebrochenen Deutsch gefragt. Sie hatte ein kleinen deutschen Reiseführer auch mit Kartoffelklöße und ein kleines deutsches Kochbuch auch mit Kartoffelknödel in der anderen Hand.

    Gute Frage 🤔.
    Tatsächlich konnte ich ihr erst einen Tag später die Antwort geben.

    Wer kennt es?

    Warum heißen Kartoffelklöße manchmal Kartoffelknödel?

    Die Antwort habe ich tatsächlich in einem Duden aus den 60er Jahren gefunden.
    :… Nördlich von Frankfurt werden Knödel Klöße genannt.

    Nun schöne Knödel äah.. Kloß Grüße, Peter Fuchs

    • Hallo Peter, schöne Begründung. Ich danke Dir für Deine Expertise. Ich hätte es mit Kartoffeln, oder Brot als Begründung versucht. Regional ergibt aber viel mehr Sinn.

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