Jägerschnitzel Ost – tödlich für Wessis
Da hat Muttern aber ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter gemacht, als ich Jägerschnitzel Ost zubereitet habe. Noch nieeeeee hätte sie die gemocht und auch noch nie gegessen. Meine Kinder kamen kollektiv nach dem Essen bei mir an und haben gefragt was das denn jetzt gewesen wäre, weil sie die sonst immer ohne zu murren gegessen hätte? Wer Frauen versteht, kann auch Holz schweißen. Meine Kinder sind damit in Ost Berlin aufgewachsen und da gab es im Kindergarten bis zur Schulkantine immer wieder Jägerschnitzel. Für die ist das ein Stück Kindheit und die mögen das weiterhin, auch wenn sie jetzt im dritten Jahr am nördlichsten Punkt Niedersachsens leben. Im Osten sind Jägerschnitzel panierte Jagdwurstscheiben mit einer Tomatensoße. Jeden Tag steht im Westen ein ganz Schlauer auf, der das noch NIE gehört hat und salbadert dann was von Schnitzel mit Pilzen, bla bla bla. Der Name Jögerschnitzel entstammt von der verwendeten Jagdwurst, nicht von den Pilzen, die im Westen für die Jägereigenschaft zuständig sind. Erstens finde ich das für die Kinder ganz schön, denen die Erinnerungen wachzuhalten und zweitens gab es im Handelshof das Kilo Jagdwurst am Stück für einen Euro pro Kilo wegen MHD. Dafür musste ich sie einfach mitnehmen

Zutaten:
1,2 Kilo Jagdwurst
1 tiefer Teller Mehl
6 Eier
43985349085 Tonnen Paniermehl
daumenhoch Rapsöl in der Pfanne
Tomatensoße
350 Gramm Minitomaten
1 Teelöffel Salz
80 Gramm Butter
1/4 Teelöffel Chiliflocken
3 Esslöffel Zucker
3 Esslöffel Mehl
60 Milliliter Essig
500 Milliliter Wasser

Mit der Soße habe ich angefangen, aber ein Kameraproblem gehabt. 350 Gramm frische Tomaten in Butter anschwenken bis sie weich sind, dafür circa 15 Minuten mit Deckel köcheln, dann mit dem Esge Zauberstab zerkleinern, Mehl, Zucker, Salz, Chiliflocken, Essig dazu geben und den Brei aufkochen, bis er Blasen wirft, dann nach und nach das Wasser einrühren, bis es eine sämige Soße gibt. Wenn sie zu dick wird, einfach ein bisschen Wasser nachgießen. Die schmeckt am Ende ganz toll und geht ein bisschen in Richtung Ketchup, nur eben aus frischen Tomaten. Die Soße dauert am längsten, deswegen mache ich sie zuerst. Danach kümmer ich mich um die Panierstraße. Mehl, verquirltes Ei, Paniermehl in separaten Gefäßen nacheinander aufreihen.

Geschnittene Jagdwurst von beiden Seiten ins Mehl drücken, damit anschließend das Ei besser haftet.

Beidseitig durch das Ei ziehen

Darauf achten, dass überall Ei anhaftet

Jagdwurstscheibe in Paniermehl wenden und auch da darauf achten, dass alles damit bedeckt ist.

Ein Jägerschnitzel nach dem anderen durchläuft den Prozeß

Links der Topf in dem die Spirelli die gekocht werden, rechts daumenhoch Rapsöl in der Pfanne erhitzen

Soße ist schon gut eingekocht

Jägerschnitzel drei Minuten pro Seite ausbacken

Nach drei Minuten wenden und die andere Seite ausbacken. Herd läuft auf 70 bis 80 % Leistung

Wenn eine Ladung fertig ausgebacken ist, kommt die nächste in die Pfanneladung dran. Die fertigen Jägerschnitzel bei 80 Grad im Backofen lagern

Jetzt kann serviert werden

Die Tomatensoße fließt schön und schmeckt wie verrückt

Dazu noch ein paar Spirelli und ein bisschen frische Sprosssen. Die gabe es in der DDR zwar nicht, aber die DDR gibt es schließlich auch nicht mehr.

Ich weiß jetzt nicht so genau welchen Grund es gibt dazu ein Schweppesgesicht zu machen, denn das spricht alle niederen Instinkte an. Knusprig außen, würzig und zart von innen, mit einer fruchtig-würzig-süßsauren Soße und nahrhaften Nudeln. Damit haben sie früher in Ostgotistan Kugelstoßer*innen großgezogen und jetzt können GeisteswissenschaftlerInnen daran sterben? Gimme a break!

Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit
Oh, das muß nachgemacht werden. Ich mag die Ossis. Als wir im Harz Urlaub machten, war ich berührt von der Freundlichkeit der Menschen und der Natur.
In Köln hatten wir einen Ossi-Laden, den es nicht mehr gibt. Dort kaufte ich mir Shirts mit den Ampelmännchen.
So gern würde ich den ganzen Osten Deutschlands bereisen, leider ist auf die DB kein Verlass, es wäre mit zu viel Stress verbunden. Meine Eltern bereisten den Osten kurz nach dem Mauerfall mit dem Wohnwagen und waren verzaubert.
Thüringen ist schön, Sachsen auch. Da ist das Essen auch ganz ordentlich, wenn man die richtigen Stellen kennt. Sachsen-Anhalt, Brandenburg sind kulinarisch eher dünn, Meckpomm auch, aber wenn man Fisch mag, ist es vielleicht nicht ganz so schlimm. Bei fast 40 % AFD habe ich aber nicht mehr so richtig Lust dahinzufahren
Wenn man zur Erstellung der Soße einen Pürierstab oder etwas vergleichbares nutzt (neben Topf etc.), dann reibe man (klein würfeln geht auch) eine rohe Kartoffel mit hinein. Größe hängt an der Soßenmenge. Dann koche und püriere und koche und püriere man es schön und freue sich, wenn die Soße ein wenig Bindung bekommt. Das kommt dem großen Vorbild noch näher. Natürlich kann man auch etwas Mehl oder Stärke einrühren … Aber mit der Kartoffel bleibts pulverfrei. 😉
Gute Idee. Wird versucht.
Das probiere ich mal aus, danke.
Jäger-SCHNITZEL. Aha.
Veggie-SCHNITZEL. Aha.
Also heisst Schnitzel
“geschnitten”, “Stückchen”,
und sonst NIX.
Und DAS öffnet dann das Bewusstsein für
Jägerschnitzel Ost, West, Veggie, vegan, oder Karotte….
Ich probier das mal.
Aber mit anderer Wurst,
die gezeigte mag ich nicht.
Mit anderer Wurst (sie Namenserklärung oben) ist es dann aber kein Jägerschnitzel. “Bierschschnitzel”, “Mortadschnitzel”, “Bockschnitzel”, … Irgendeine bratfähige Brühwurst sollte es schon sein. “Gesichtsschnitzel”, “Bärchenschnitzel”, …
@DirkNB: genau.
Schnitzel halt, kicher.
Der Jäger ist ja fakultativ.
Ob der per Pilz oder Wurst oder Sosse definiert ist,
oh Gott, ich muss grad so lachen… mir völlig Wurst.
ein zur Wurst gewolfter Haifisch
Panierte Gesichtswurst ist dann ein Kabulschnitzel, wegen Vollverschleierung
@Jörg: Kabulschnitzel..
echt jetzt, ich muss grad lachen
das war der Plan
Heißt halt Jägerschnitzel wegen der Jagdwurst. Kannst auch Mortadella nehmen, wenn keiner aus dem Osten zuschaut.
Nun bin ich so angefixt, daß ich mir zwei klassische Kochbücher der DDR bestellt habe. Der Gedanke schwelte bereits. “Wir kochen gut” und “Wir backen gut” in neuer Aufmachung vom BuchVerlag Leipzig.
Das Kochbuch, womit ich mir als frisch verheiratete Frau behalf lautet: “Das elekrtische Kochen”. Die Seiten sind fast braun, aber nicht von der Sonnenbank und auch nicht politisch. ( Man weiß ja nie, wer mitliest und seine Fettnäpfe wie Mausefallen aufstellt ) 😉
Lustig das elektrische Kochen steht hier auch im Regal. Die beiden DDR Kochbücher habe ich unter anderem auch. Das sind auf jeden Fall gute Grundrezepte und manchmal denkt man sich, das habt Ihr doch gar nicht kaufen können, was da als Zutaten aufgeführt wird. Ich habe daraus schon mal eine Serie gekocht und das ist durch die Bank solide. Lustigerweise beziehen sich alle, die echte Verbrechen an der Kulinarik begehen in den einschlägigen Facebookgruppen auf wir kochen gut, oder wir backen gut, aber nachdem ich beide gelesen habe, bin ich mir sicher, dass sie das niemals gelesen haben, oder unter Gedächtnisverlust leiden. Sonst würden sie der DDR ja nicht hinterherjammern, oder zu 60 % Extremisten und Demokratiefeinde wählen.
Der DDR hinterherjammern, das kann nur ein Wessi äußern, es gab Gutes und auch Schlechtes genau wie im goldenen Westen. Ich als Ost-Kind weine wohl eher um den Verlust der Heimat. Der Mann wurde versetzt in den Westen und man mußte alles hinter sich lassen was einem lieb und teuer ist, Familie, Freunde. Hier im Westen war das erste: Scheis…ossies nehmen uns jetzt die Arbeit weg. Jahre später, ihr Sohn hat nicht zu studieren, das ist zu teuer und unsere machen das auch nicht. Und der letzte teure Inflationshammer hat den Hass und Neid richtig gebracht… die Ossis konnten noch gut einkaufen und sollen gefälligst unterstützen.
Und die verdammte Stasie war das einzig böse und schlechte in der DDR. Und von Kinderbetreuung hätte sich der goldene Westen eine Scheibe kopieren können, das war gut organisiert.
Ich bin jedenfalls dankbar in der DDR die Mangelzeit erlebt zu haben, wir haben immer improvisier müssen, gerade deine Seite erinnert mich daran.
Ich bin froh, dass ich da nicht leben musste. Mir reichte schon die Transitstrecke zu fahren und da jedes Mal Angst zu haben, überhaupt wieder rauszukommen. Deswegen kann es anderen da gefallen haben. Ich kannte das halt nicht und war sehr zufrieden mit meinem Leben im Westen. Es tut mir leid, dass Du negative Erfahrungen im Westen gemacht hast, aber die Leute waren halt doof, das hätten auch die Nachbarn im Osten sein können.
@Jörg, sorry, du hast jetzt einfach unrecht.
“das hätten auch die Nachbarn im Osten”
Nein, das ist einfach so nicht richtig.
Ich war 1989 Trabbi-Klopfen in Lübeck,
als kilometerlange Schlangen von Trabbies nach Lübeck wollten.
Unfassbar gut gepflegte uralte kleine Autos,
2Takter-Gestank, und eine unglaubliche
Freude und Neugier auf beiden Seiten.
Ich bin dann noch im November
mit dem Motorrad durch die DDR.
Saukalt, alles glitschig vom 2Taktöl.
Das kannte ich nicht.
Das war alles so spannend.
Das Land war dunkel.
Keine Lampen, keine Werbung.
Kartoffeln, Rotkohl und sehr dünne Scheiben Schweinebraten.
Kostenlos gabs dazu eine unfreundliche Serviererin.
Dieser erste Eindruck DDR blieb unvergesslich,
im Land waren die Uhren etwa 1950 stehen geblieben.
Ich fand das meiste einfach okay. Anders, aber okay.
War schon ziemlich Ausland, nicht Bundesland.
Schon 2-3 Monate später drehte die Stimmung.
Die Wessies verarschten die Ossies in einem Ausmass,
es war zum Fremdschämen zuviel.
Die Ossies hatten offenbar verlernt,
was es heisst, betrogen zu werden.
Und das taten die Wessies dann umso lieber,
die treudoofen Ossies verarschen.
Die lernten auf die harte Tour,
dass der goldene Westen gar nicht golden war.
Und da staute sich dann sehr viel Wut an,
teilweise bis heute.
Mir tut das bis heute leid.
Ich habe erlebt, wie gute Kumpels stolz berichteten,
wie sie die Ossies grade über den Tisch gezogen hatten,
“eine Schrottmühle für viel Geld vertickt, hihi, die sind ja so doof…”
Dass der Ossie grade sein ganzes Erspartes und den Trabi verlor,
das war dem Wessi egal. Dass der Ossi kaum was verdiente, auch.
Deswegen Jörg, es ist viel komplexer.
Die Überheblichkeit der Wessies war Fakt.
Das rächte sich dann irgendwann.
Denn der Glaube an den Westen schwand,
und eine riesige Wut wurde grossgezogen,
die bis heute noch nicht weg ist.
Ich hab das selber erlebt.
Wie die stocksauren Ossies
dann irgendwann auf die Wessies
losgegangen sind und es wilde Prügeleien gab.
Konkret in Rostock.
Noch bevor Grossklein brannte.
(Oder wie hiess die Plattenbausiedlung dort?)
Ich habe nie jemanden über den Tisch gezogen, egal von wo die Person kam und es ist mir komplett wesensfremd. In sofern kann ich mir das auch nicht vorstellen, das zu tun.
@Jörg, ich glaube Dir, das Dir das wesensfremd ist.
Aber es ist trotzdem passiert.
Selbstverständlich nicht durch / mit Dir.
Nur möchte ich das nicht vergessen.
Es zeigt, wie dünn die Lackschicht bei vielen ist.
Und deswegen habe ich Dir widersprochen.
Die Wurzeln der heutigen Konflikte liegen zum Teil genau dort.
Das zu negieren, zu Verschweigen hilft niemanden.
Es gibt denen, die damals betroffen waren,
nur das Gefühl, sich falsch zu erinnern.
Die erinnern sich aber nicht falsch.
@Esther: gern geschehen.
Es war ein beeindruckende Zeit damals.
Wind of change. Was ist draus geworden.
So schade. Und wie ich schon sagte,
diese DDR war so anders, ein anderes Land eben.
Ich fand es immer bereichernd.
Wer dazu in der Lage war,
konnte sich sehr schnell an der Nase fassen und sich fragen,
was denn genau so schlecht gewesen sein soll dort “drüben”.
Wie Kerstin sagt, es war einiges sehr gut (Mülltrennung, KiTas, usw.)
und einiges gar nicht gut. Nun, deswegen gabs ja die Revolution.
@ Haifisch
Danke für Deine Sicht, was sich so zutrug.
Ich mag diese unsichtbare Mauer nicht, möchte auf alle neutral zugehen, besonders auf meine Landsleute. Alle Personen, die ich kennenlernte und die im Osten Deutschlands aufwuchsen, habe ich als bodenständige, zugewandte Menschen empfunden.
Begeistert habe ich gestöbert und eine Kochseite mit DDR-Köstlichkeiten gefunden. Im Sommer mache ich den dort aufgeführten Holunder-Likör. Hier ist der Link: https://www.ddr-rezepte.de/
@Esther, boah, der link
will schon wieder alles von mir wissen,
ist der AfD – gesponsert oder was…
Ich versuche es nochmal, anders.
@ Haifisch
Ich habe gar nichts bemerkt und bin ohne Probleme über Google darauf gekommen. Im Impressum steht auch nichts. Seltsam.
@Esther: Hmm, jetzt hats auch geklappt.
Anderer Browser, dann ging es.
Ich wollte hier keine politische Diskussion auslösen. Nur wenn es gegen die Ossies geht und meist in eine Richtung, dann könnte ich zwischen hauen. Unsere Lebensleistung, das Ersparte, die Erwerbsbiografie wurden binnen Stunden ausgelöscht. Ob das die Wessies überstanden hätten, können wir nicht prüfen.
Wir haben im Osten auch nur gearbeitet, vielfach für wenig Geld.
Und nach dem Mauerfall hieß es für viele: nicht meckern, aufstehen und weiter machen. Und das haben leider nicht alle gemacht und geschafft.
@ Esther
Ich freue mich sehr, dass es dir im Harz gut gefallen hat. Das ist unsere Heimatregion.
@ Jörg
Wir haben auch ohne Tütchen verdammt gut gekocht.
@ Kerstin
Ich finde es gut, daß Du Dich äußerst und habe nichts davon als meckern aufgefasst.
Schon beim Einkaufen freuten sich die Damen an der Fleischtheke, denen das Rezept bekannt war. Wir kamen darüber ins Gespräch.
Bei der Soße ließ ich etwa die Hälfte des Essigs weg. Mir schmeckte sie, meinem Mann war sie zu ketchupartig und argwöhnte bereits, dass ich ihm einfach etwas aus der Pulle warm gemacht hätte.
Das panierte Fleisch war prima. Panieren ist nicht meins, ich hatte mehr von dem Zeug an den Händen als an der Wurst. Nächstens ziehe ich Handschuhe an.
Wenn viele dieses Essen von Kindheit an kennen, verstehe ich die Sehnsucht danach. Meine jüngere, verstorbene Cousine war z. B. nach Miracoli süchtig, weil sie es von klein auf mochte. Darum finde ich es schlimm, dass man den Käse bei gleichem Preis wegläßt und die Fans derart düpiert.
Das Ost-Schnitzel ist ein richtig gutes Kinderessen, ohne es abwerten zu wollen. Im Gegenteil, besonders bei denen, die fast nichts zu sich nehmen wollen. Nudeln gehen immer, die Tomatensoße auch. Sträubt sich das Kind gegen das Fleischstück, weil es bereits im Kindergarten beharkt wurde, freuen sich die Eltern.
Mittlerweile habe ich die DDR-Kochbücher und stöbere. Die Tipps sind durchweg bodenständig.
Das DDR Kochbuch ist wirklich nützlich. Ist bei mir schon ein paar Jahre her, aber hat mir bei den Grundkochtechniken noch sehr weitergeholfen