Schweinerücken mit Apfelsoße

Ich stehe total auf Minimalismus. Sich auf das Wesentliche zu beschränken, Dinge so sein zu lassen wie sie sind, oder ganz schlichte Dinge bewusst einsetzen und sich hinterher darüber freuen, wie ausgefallen der Effekt ist. Meine Schwiegermutter war mal wieder zu Besuch und da lege ich mich immer extra ins Zeug. Deswegen gebe ich nicht mehr Geld aus als normal, aber ich versuche auch in der Woche extra gut zu kochen. Das geht auch, wenn man ein bisschen gescheit vorarbeitet. Vieles macht sich fast von alleine, wenn man das in die späteren Abendstunden des Tages verlegt.

Zutaten für 4 Personen:

1200 Gramm Schweinerücken
1 Flasche Apfelsecco 0,7 Liter oder Apfelsaft
1 Teelöffel Salz
Pfeffer nach Geschmack
4 Äpfel
1 Esslöffel Zimt-Zucker
1 Prise Chiliflocken
1 gehäufter Esslöffel Speisestärke in Wasser aufgelöst
Petersilie

Kartoffelklöße aus Salzkartoffeln anklicken
Spitzkohl mit Apfel anklicken
Den Schweinerücken mit dem Messer von der Silberhaut befreien
Butter in meiner Edition 8 Pfanne erhitzen und das Fleisch von allen Seiten anbraten. Der Herd läuft auf Volldampf und das Fleisch wird alle drei Minuten weiter gedreht, damit von jede Stelle mal drankommt.
Vier Apfel halbieren. Ich verzichte ganz bewusst, auf jeglichen Tingeltangel. Keine Zwiebeln, keine Möhren, oder irgendwas, was ich normal als Gemüsebett verwenden würde.
Das Fleisch ist jetzt um die zwanzig Minuten von allen Seiten angebraten.
Apfelhälften um das Fleisch legen
1 Teelöffel Salz
Chiliflocken nach Geschmack
1 Esslöffel Zimt und Zucker über die Äpfel geben
Ich habe keine Flüssigkeit in die Pfanne gegeben und verlasse mich darauf, dass die Äpfel und das Fleisch das schon erledigen werden.
Deckel auf die Pfanne legen und auf die kleinste Herdplatte umstellen, auf kleinste Stufe andrehen.
Fleisch alle halbe Stunde umdrehen und zwei Stunden lang auf niedriger Temperatur schmoren lassen. Wichtig ist, dass wir am Ende 78 Grad Kerntemperatur erreichen, dann ist der Gargrad perfekt. Nicht mehr blutig, aber super saftig. Das ist bei Schweinerücken das eigentliche Problem, weil er sonst dazu neigt trocken zu werden, wenn die Kerntemperatur zu hoch wird. Das erkennt man daran, dass man in dem Moment die Fleischfaser von vorne nach hinten in einem Stück durchziehen könnte. ich sehe das auf Bildern immer wieder und kenne das von Menschen, die mit zu hoher Gartemperatur zu schnell garen wollen. Merke, Schweinerücken ist ne Bitch und will langsam auf Temperatur gezogen werden.
Nach zwei Stunden ist das Fleisch perfekt.
Die Kartoffelklöße habe ich auch schon fertig gemacht.
Ich habe noch ein kleineres Stück mitgeschmort, das Ihr oben auf den Bilder nicht gesehen habt. Das war noch ein Rest vom Schweinerücken auf den Punkt. Das schneide ich jetzt als Test auf, damit Ihr sehen könnt, wie das Fleisch nach zwei Stunden aussieht.
Man kann das auf den Fotos leider nicht erkennen, wie saftig das Fleisch ist. Sehr geil.
Den Fleischstrang hole ich aus der Pfanne, schlage den in Alufolie ein und lege den nach dem Auskühlen über Nacht in den Kühlschrank. Ich mache jetzt noch die Soße fertig.
Herd volle Pulle andrehen
Das ist ein Apfelsecco. Sowas trinken dauerschwangere und dauerstillende Ehefrauen, wenn sie mal Lust auf irgendwas ähnliches wie Sekt oder Prosecco, aber eben ohne Alkohol haben. Da das Thema Schwangerschaft bei uns aber mittlerweile drei  Jahre vorbei ist und die Stillerei auch schon eine Weile, staubte die Flasche im Weinregal vor sich hin.  Eine gute Gelegenheit, das Gebräu für eine Soße zu verwenden. Wer es ne Nummer einfacher machen möchte, nimmt einfach eine Flasche möglichst guten Apfelsaft.
Apfelsecco in die Pfanne gießen und aufkochen lassen.
Deckel auf die Pfanne und auf mittlere Temperatur runter gehen. Die Äpfel sollen jetzt weich kochen
Jetzt sind die Äpfel weich. Das hat circa eine halbe Stunde gedauert. Ich stehe dann nicht neben dem Herd, sondern schreibe meistens am Blog, wenn ich sowas am späten Abend, oder in der Nacht mache.
Soße durch ein Sieb in eine Schüssel kippen
Oben Äpfel, unten der flüssige Anteil der Soße.
Die Äpfel durch das Sieb streichen.
Kerne und Schalen bleiben im Sieb, das Fruchtfleisch geht durch und kommt dann wieder in die Soße.
Das ist an dem Abend meine letzte Amtshandlung.
Jetzt will ich den Braten servieren. Die Kartoffelklöße kann man im Ofen erwärmen, oder wieder in heißes, nicht kochendes Wasser legen, oder in der Pfanne aufbraten. So wie es Euch gefällt.
Als Gemüsebeilage mache ich Spitzkohl mit Apfel, um einen roten Faden in dem Gericht zu haben.
Die Soße ist seit letzter Nacht erkaltet und viel dicker als im warmen Zustand geworden.
Soße langsam erwärmen, ohne dass sie viel Flüssigkeit verliert.
Der Soße fehlt noch ein wenig Bindung.
Speisestärke in Wasser auflösen und klumpenfrei verrühren

Klumpenfrei!!In die aufgekochte Soße gießen und schnell verrühren.
Soße wieder auf niedrigste Temperatur auf der kleinsten Platte stellen.
Wer hier sonst auch mitliest weiß, dass ich sonst dazu tendiere das Fleisch eine Stunde lang mit Wenden nach einer halben Stunde anwärme, aber dafür ist mir die Fleischfaser des Rückens zu zickig. Deswegen gehe ich heute mal einen anderen Weg.
Fleisch aus dem Kühlschrank holen. Das ist gut gekühlt und die Fleischfaser ist wieder fest.
Deswegen kann man den Schweinerücken jetzt mit einem scharfen Messer dünn aufschneiden, ohne dass das Fleisch dabei ausfasert. Deswegen kühlt man den Braten so aus, damit die Fleischfaser in diesem Moment fest ist.
Den Spitzkohl an den Start bringen
Die dünnen Fleischscheiben auf kleinster Platte und kleinster Temperatur in die Soße legen.  Deckel auf die Pfanne nicht vergessen. So wird das Fleisch ganz schonend auf Temperatur gebracht und wird wieder butterzart. Das soll auch nicht sprudelnd kochen, nur warm ziehen. 70 Grad Kerntemperatur sind angestrebt und optimal.
Spitzkohl ist fertig
Petersiliendeko hacken
Kartoffelklöße sind auch fertig
Die Vorfreude steigt.
Jetzt könnt Ihr Schalen und Töpfe auf den Tisch stellen und jeder nimmt sich selbst, oder Ihr serviert das gleich auf dem Teller.
Spitzkohl mit Apfel
Kartoffelklöße
Schweinerücken
Ein wenig Soße darüber gießen.
Noch ein bisschen Grünkraut darüber verstreuen.
Das ist so lecker, dass es fast ein Weihnachtsessen sein könnte, obwohl die Zutaten alle herbstlich sind. Ich habe meine Brut am Tisch lange nicht so ruhig erlebt.  Ganz zartes Fleisch, eine tolle Soße mit dem Geschmack reifer Äpfel, toller Spitzkohl mit Apfel und Kartoffelklöße ohne Naht, weil ohne Kochbeutel hergestellt.
Genau so stelle ich mir ordentliches Essen vor. So teuer, dass man es sich jeden Tag leisten könnte, mit bedacht und bewusst zubereitet und so spannend, dass keiner sagt, ach das schon wieder.
Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen und einen guten Appetit.

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